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Derselbe Finanzschriftsteller schreibt mir, Gold- undKreditanleihen zusammenfassend: „Derjenige Betrag der russi-schen Staatsschuld im weitesten Sinne, der im Auslande placiertist, ist in den letzten fünf Jahren (1893—1897) um 400 bis500 Millionen R., also um 80—100 Millionen R. jährlich ge-wachsen." Diese Schätzung entspricht ungefähr der obenangeführten des amerikanischen Generalkonsuls. Mir selbstfehlt das Material, sie auf ihre Richtigkeit nachzuprüfen.
Nicht minder bedeutend, auch ebenso schwer in seinemBetrage zu schätzen, ist der Kapitalzuflufs auf dem Gebieteder privaten Unternehmung, vor allem der Industrie 1 . Am1. Januar 1895 bestanden in Rufsland mit Ausschlufs derEisenbahngesellschaften 784 Aktienunternehmungen mit 890 Mil-lionen R. Kapital. Am 15. April 1898 bestanden 990 Aktien-unternehmungen mit 1686 Millionen R. Kapital. Allein in derMetallindustrie stieg das Aktienkapital in dieser kurzen Zeit-spanne von 86 auf 250 Millionen R. Es ist klar, dafs dieseZunahme des industriellen Kapitals nicht einer plötzlichenVermehrung der russischen Ersparnis, sondern nur dem Zu-flufs ausländischen Reichtums verdankt sein kann. Aulserden Neugründungen haben ältere Aktiengesellschaften mitErfolg neuerdings im Auslande Obligationsanleihen aufge-nommen, was zur Zeit schwankender Papierwährung undenk-bar gewesen wäre. Als Beispiele nenne ich die NobelschenIndustrien, die Donez-Kohlenwerke u. a.
Eine weitere Folge der Währungsreform war ein ge-waltiger A uf schwung desEisenbahnbaues, ebenfalls ver-mittelt durch ausländisches Kapital. Es ist dies eine Erscheinung,die sich überall zeigt, sobald die Eisenbahneinnahmen ausschwankenden Papiereinnahmen zu Goldeinnahmen werden.
Neben den Staatsanleihen, welche Eisenbahnzweckendienen, kommen hier vor allem die staatlich garantierten 4°/o
1 Über die Schwierigkeit, das in der russischen Industrie vomAuslande angelegte Kapital zu schätzen vergl. Bulletin Kusse 1897,S. 394/395. Der Verfasser übersieht, dafs auch Aktien russischer Aktien-gesellschaften in das Ausland abfliefsen können.