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Eisenbahnobligationen privater Gesellschaften in Betracht, vondenen seit 1894 bis Anfang 1899 ein Betrag von ca. a U MilliardenMark allein in Deutschland untergebracht wurde. Aufserdem aberwerden — eine bisher in Rufsland ungewohnte Erscheinung —neuerdings auch Eisenbahnen lediglich aus privaten Mittelnohne Staatsgarantie gebaut, insbesondere in den West-provinzen *. Im ganzen befanden sich Anfang 1899 an 5000Werst Privatbahn im Bau.
Aufser diesen langfristigen Kapitalanlagen sind seit denTagen der Festigung der Valuta kurze oder jederzeit kündbareBankkredite in ansehnlichen Beträgen von Europa nachRufsland gelegt worden, wozu der Unterschied des Zins-fufses anlockt. Diese Bankkredite haben zur Voraussetzung,dafs der Kreditgebe rsich sicher fühlt, wann er will, aus derWährung herauszukommen, d. h. dafs die russische Reichs-bank jederzeit Golddevisen zu festem Kurse verkauft. DieseKredite waren undenkbar, solange der Rubel ein schwanken-des Papiergeld war. —
Wie ein. vom Druck befreiter Schwamm saugt heuteRufsland begierig fremdes Kapital auf. Die Reaktionärenennen es „den Verkauf Rufslands au die Fremden", ein Vor-wurf, der allerdings vielfach monopolistischem Privatinteresseentspringt, „welches die Maske des Patriotismus annahm" 2 .
Sind koloniale Böden je anders als durch das Kapitalder alten Volkswirtschaften entwickelt worden? Ist es nichthäutig ein Zeichen gerade des Aufblühens eines Handlungs-hauses oder Industrieunternehmens, wenn es fremde Geldersich dienstbar macht? Freilich legt jede solche „Verschuldung"
1 Vergl. Näheres in der Ökonomischen E und schau September1898, S. 108 ff.
2 So der Finanzminister Witte in seiner oben angeführen Eedein der Kommission zur Eegulierung des Getreidehandels. Nicht giltdieser letztere Vorwurf von Schaparoff-Ol, welche bona fide dieVerschuldung als „Verlust" betrachten und die Papierwährung bevor-zugen, weil sie die Verschuldung an das Ausland erschwere, a. a. 0.S. 14 ff.