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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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dem Leiter sowohl des Privatunternehmens, wie der Staats-finanzen schwere Verantwortung für die Gegenwart und dieZukunft auf.

Fragen wir nach den Folgen der Kapitaleinfuhr für dieZahlungsbilanz einer Volkswirtschaft.

Kapitaleinfuhr bedeutet die Entstehung von Bankguthabengegen das investierende Ausland, welche zur Kompensationmit Forderungen des Auslandes gegen das Inland benutztwerden. Diese Forderungen wären sonst mit Ausfuhr zu be-gleichen gewesen. Kapitaleinfuhr bedeutet ge-stundete Ausfuhr. Es ist möglich, dafs die aus derKapitaleinfuhr sich ergebenden Forderungen des Auslandesan Zins, Dividende und Amortisation demnächst durch aber-malige Kapitalzufuhr getilgt werden; aber diese Tbatsacheschiebt die Notwendigkeit einer endlichen Regelung derZahlungsverpflichtungen durch Ausfuhrüberschüsse nur auf,beseitigt sie nicht.

Zeitweise allerdings und vorübergehend kann das Ver-hältnis das entgegengesetzte Aussehen haben. Übertrifft dieKapitalzufuhr nämlich im gegebenen Augenblick die vor-handenen Zahlungsverpflichtungen des Inlandes an das Aus-land, so können zwar Stundungen der Bankguthaben ein-treten. Aber solche Stundungen sind wegen Zinsverlustesunwirtschaftlich. Auch können die mit ausländischem Kreditausgestatteten Eisenbahngesellschaften, Industriewerke u. s. w.derartige Stundungen sich meist gar nicht leisten, da sie inihren Ziehungen ja nicht durch die Rücksicht auf die Zahlungs-bilanz ihres Landes, sondern den eigenen Geldbedarf bestimmtwerden.

Zum weit gröfseren Teil wird also der Aktivsaldo derZahlungsbilanz, besonders wenn er sich mehrere Jahre wieder-holt, zur Bezahlung einer Mehreinfuhr verwandt werdenmüssen.

Diese Einfuhr ist zunächst Edelmetalleinfuhr, welche jedochihre Grenze an dem Bedarf nach Umlaufsmitteln findet. Überdiese Grenze hinaus erhöht sie die inländischen Preise, er-