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1895 belief sich die russische Baumwollernte auf mehr als4V2 Millionen Pud 1 .
Von allen Baumwollindustrien der Welt bietet die russischedas einzige Beispiel einer protektionistischen Emporzüchtungbereits der Rohproduktion. Mit der Ausdehnung der Baum-wollkultur in Transkaspien wurde nämlich der Finanzzoll aufRohbaumwolle zunächst unbeabsichtigt zum Schutzzollund in diesem Sinne seit den 80er Jahren bewufst weiter ent-wickelt. Durch Reichsratsbeschlufs vom 20. Dezember 1894erfolgte eine beträchtliche Erhöhung dieser Zölle, von 1,40auf 2,10 Goldrubel pro Pud. Es bedeutet dies eine Belastungvon etwa 60 °/o des Wertes der Baumwolle franko russischerHafen. Der Finanzminister begründete im Pinanzboten vom1. Januar 1895 die besprochene Mafsregel unter anderm infolgender Weise: „Es ist volkswirtschaftlich wünschenswert,dafs Centraiasien alles kulturfähige Land für Baumwoll-produktion verwendet, seinen Weizenbau einschränkt, umnicht nur seine bisherige Rolle als Konkurrent der süd-russischen und kaukasischen Weizenproduzenten aufzugeben,sondern auch, um als Weizenkäufer auf dem russischenMarkt aufzutreten"; wir können hinzufügen, auch auf sibi-rischem Getreidemarkt nach Bau der Eisenbahn Taschkend-Samarkand.
Einige Angaben über das asiatische Produktionsgebietdürften nicht ohne Interesse sein, zumal da seine Bedeutungin Westeuropa noch vielfach unterschätzt wird; ich bin hier-für in der Lage, die Angaben zweier mit diesem Gegenstandepraktisch vertrauter Gewährsmänner zu benutzen.
Die Baumwollkultur in Turkestan ist uralt und be-schränkte sich bis zur russischen Annexion des Landes aufden Anbau der Baumwolle aus einheimischer Saat, welcheeine kurzstapelige, minderwertige Flocke liefert. Um diemittelasiatische Baumwolle für Zwecke einer europäischen
1 Vergl. Näheres bei Raffalovich, Marche financier 1896/97,S. 382.