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rechnen hatte. Ebensowenig hat die vertragsmäfsige Herab-setzung des Cementzolles die früher beträchtliche deutscheAusfuhr wieder besonders gehoben. Dagegen waren dieZollermäfsigungen auf dem Gebiete der Thon-, Porzellan-und Fayenceindustrie nicht ohne Bedeutung. Ebenso ist eseine natürliche Erscheinung, dafs auf dem Gebiete derLederindustrie die Ausfuhr gewöhnlicher Leder nach Rufs-land abnimmt. Dagegen waren die Zollherabsetzungen fürfeinere Leder geeignet, die deutsche Ausfuhr zu fördern.
Ahnlichen Erscheinungen begegnet man auf dem Gebieteder Textilindustrie. Baum wo 11 waren, Gegenstände desbreiten Massenverbrauchs, fertigt Rufsland selbst; ja auf demGebiete dieser seiner mächtigsten Grofsindustrie stellt esbereits hochwertige Qualitäten mit Erfolg her. Die MoskauerKattundrucke, welche ich vor kurzem in der Chemieschule zuMülhausen im Elsafs sah, nehmen es mit den besten ErzeugnissenWesteuropas auf — aufser vielleicht im Preise. Die deutscheAusfuhr an Baumwollgarn und -geweben nach Rufsland weistseit den 80er Jahren einen beträchtlichen Rückgang auf; dem-gegenüber fallen gewisse Konzessionen des Handelsvertrages,z. B. für baumwollene Wirk waren, nicht allzu sehr in dasGewicht. In ähnlicher Weise hat die Ausfuhr Deutschlands nach Rufsland in der Leinen- und Seidenindustrie gegenfrüher stark abgenommen.
Etwas günstiger liegen die Aussichten Europas seit Ab-schlufs der Handelsverträge auf dem Gebiete der Wo 11 industrie.Insbesondere ist es als Fortschritt zu begriifsen, dafs der auchfür den Fachmann schwer festzustellende Unterschied zwischenWaren aus Streichgarn und solchen aus Kammgarn weg-fiel, der früher zu den gröfsten Zollplackereien Anlafs gegebenhatte. Immerhin hat Polen seit den 80er Jahren auch aufdiesem Felde grofse Fortschritte gemacht, insbesondere viel-fach mit deutschem Gelde eine eigne Kammgarnspinnerei ent-wickelt. Nur Garnen hoher Qualität und Specialitäten bleibtder Absatz gesichert. Günstiger verhält es sich mit dem Ab-satz von Wollgeweben, Konfektions- und Hutwaren, für welche