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anders denken, die sich, wie einst der spätere Graf vonBeaconsfield von seiner Heimat sagte, „so fremd sind, alswären sie unter verschiedenen Zonen geboren". Das deutsche Volk mufs wieder zu einer Nation werden.
Dafs dies möglich ist, beweist die Entwicklung des naheverwandten Volkes, für welches aus wirtschaftlichen Gründenein Halbjahrhundert früher als für uns dieselbe Daseinsfragesich erhob. Dies ist der Grund, weshalb ich der socialen Ent-wicklung Englands ein ganz besonderes Interesse beimesseund mit vorliegender, ihr gewidmeten Arbeit vor die Öffentlich-keit trete. Wenn diese Arbeit, so viel an ihr ist, beitragen sollzur Klärung der öffentlichen Meinung in der Heimat und zurÜberbrückung jenes „Golfes, welcher die Klassen scheidet", soist vorauszuschicken, dafs ich keineswegs einer blinden Nach-ahmung das Wort rede. Zwar pflegt überall die gleiche wirt-schaftliche Betriebsform die ihr entsprechende Gesellschafts-organisation hervorzurufen, die ihrerseits gegen ähnliche socialeSchäden ähnliche Heilmittel erzeugen wird. Aber auch dieVerschiedenheiten sind nicht zu übersehen. Wenn wir einer-seits des geordneten Parteiwesens entbehren, wie es Englands Vorzug ist, so haben wir bei aller Zersplitterung unsere Ein-heit in der Dynastie, die das Reich gemacht hat und dienicht einer einzelnen Klasse angehört, in dem Kaiser, dersich als Sohn seiner Zeit bekannt hat.
Wenn ich England als auf dem Wege zum socialenFrieden befindlieh bezeichne, so verstehe ich darunterfolgendes: England ist einer friedlichen Lösung dersocialen Schwierigkeiten und Gegensätze sicher. Kein Eng-länder zweifelt daran, gleichviel ob er auf der Rechtenoder der Linken stehe, Arbeiter oder Arbeitgeber sei. Nir-gends giebt es jene uns wohlbekannte Stimmung des socialenPessimismus, nirgends in den unteren Schichten der Ge-