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Seilschaft den Glauben, dafs das Heil allein im Umstürzeund der Vernichtung des Bestehenden liege, nirgends inden oberen den Gedanken, dafs es lediglich darauf an-komme, vorher alles gethan zu haben, „um mit ruhigem Ge-wissen das Schwert ziehen zu können". Die Wissenschaft,die Religion, die Kultur der oberen Klassen wird aber deshalbnicht von den unteren bekämpft, weil es ihre Wissenschaft,ihre Religion, ihre Kultur ist, weil sie sich mehr und mehrals Erben und Träger dieser Güter fühlen. Kirche undUniversitäten, die Vertreter der dem wirtschaftlichen Kampfentrückten öffentlichen Meinung, stehen unparteiisch überden Parteien; statt sie als Klasseninstitutionen zu bearg-wöhnen, erblickt das Volk in ihnen seinen mehr und mehrzu verwirklichenden Besitz. Nirgends begegnet der volks-wirtschaftliche Forscher auf Seiten des englischen Arbeitersjenem tief gewurzelten Mifstrauen, welches den deutschen injedem Manne mit besserem Rock einen Feind und meist einenGeheimpolizisten vermuten läfst. Das englische Volk ist eineNation. Dies verstehe ich unter socialem Frieden, nicht einenZustand, der nichts zu thun übrig liefse. Ein solcher istnicht von dieser Welt. Vielmehr sind, wie wir sehen werden,die Ziele der englischen Arbeiterbewegung weit gesteckt, ihreKämpfe oft schwer und langwierig, aber beides auf dem Bodendes Bestehenden. In letzter Linie erst denke ich, wenn ichvom socialen Frieden rede, an die gewerblichen Kämpfezwischen Kapital und Arbeit (strikes etc.), welche, wie dasachte Kapitel zeigen wird, ebenfalls im Laufe der Entwicklungin friedliche Formen gegossen werden.
Sobald ich aber den Gründen des bezeichneten Zustandesnachging und fragte, wie er sich aus einer vom Klassen-hasse zerrissenen Gesellschaft entwickelt habe, die einem jähenZusammenbruch ausgesetzt schien, so stand ich vor einer