Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
11
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Dieser Umschwung wurde durch eine Eigentümlichkeitder vorrevolutionären Gesellschaft erleichtert, die nicht uner-wähnt bleiben darf, ohne dafs das Bild, welches wir in kurzenZügen zu entwerfen versucht haben, unvollständig bleibt.

Die aristokratische Gesellschaftsordnung Englands beruhtenicht auf denselben subjektiven Grundlagen, wie einst dasalte Feudalsystem; es entsprach ihr nicht mehr eine gläubiggesinnte Weltanschauung, nicht auf Seiten der beherrschtenMasse jene innere Abhängigkeit und Gebundenheit gegenüberden geistig und politisch leitenden Gewalten. Vom Mittel-alter war sie durch eine Revolution getrennt, welche bereitseinmal das Individuum gegen die Autorität aufgerufen unddas Volk bis in die untersten Schichten erschüttert hatte.Volksgeist, wie Philosophie war seitdem individualistisch; jawährend sich in England die Aristokratie politisch und wirt-schaftlich auf das starrste ausbildete, verbreiteten sich vondort die Ideen, welche einen neuen und verstärkten An-sturm gegen jede autoritative Gesellschaftsgliederung ver-ursachen sollten.Frankreich war nur der Dollmetscherzwischen England und der Menschheit" sagt Macaulay inseinem Aufsatz über Walpole und bezeichnet damit vortreff-lich die Rolle, welche die englischen Schriftsteller jenes Zeit-alters, ein Bolingbroke, ein Shaftesbury, ein Bayle und einLocke für die Vorbereitung der kommenden Revolutionengespielt haben. Bekannt ist der Einflufs der englischen Phi-losophie auf Voltaire und Kant 1 .

1 Voltaire wie Kant gestehen den englischen Einflufs zu. So schreibtVoltaire an Marmontel :je conviens que la philosophie s'est beaucoupperfectionne dans ce siecle; mais ä qui le devons-nous? Aux Anglais."Vergl. Laurent, etudes sur l'histoire de l'humanite XII 320322, 404.Kant (Ausg. von Rosenkranz III 9):Ich gestehe frei, die ErinnerungHumes war eben dasjenige, was mir zuerst den dogmatischen Schlummer