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Stütze der bestehenden Ordnung; als er politisch zu denkenanfing, folgte er vielmehr den Bewegungen seines städtischenGenossen, sodafs England , nachdem einmal das Wahlrechtauf die Massen ausgedehnt worden ist, nunmehr — ein fürden Kontinentalen seltsames Schauspiel — einen gröfserenRadikalismus der ländlichen Wahlen als der städtischen auf-zuweisen pflegt.
Freilich waren damals diese Elemente von dem politi-schen Kampfplatz noch völlig fern. Der Streit und dieMacht entbrannte vielmehr ausschliefslich zwischen der bis-herigen Aristokratie und der neu aufkommenden Grofsindustfie,welche vor allen die gesetzliche Regelung der gewerblichenVerhältnisse in ihre Hand zu bekommen trachtete. DenHöhepunkt dieser Bewegung bildet die von Lord Rüssel 1831eingebrachte Reformbill. Die französische Julirevolutionhatte das Verlangen nach einer demokratischen Umgestaltungder Verfasssung so sehr gesteigert, die Leidenschaft des Volkesso sehr erregt, dafs man von einem gewaltsamen Umsturz wenigentfernt war. Ein privates Eingreifen des Königs hat dasschlimmste verhindert, indem es die weltgeschichtliche Ab-stimmung des Hauses der Lords vom 4. Juni 1832 herbeiführte,womit die bisher herrschende Klasse abdankte. Jedoch wirddie Zahl der bei Gelegenheit der Reformbill begangenen Ver-brechen von Lord Gray auf 9000 berechnet, gegen welchezum grofsen Teil von den Geschworenen keine Schuldsprüchemehr zu erlangen waren.
Thatsächlich hatte hiermit auch England seine politischeRevolution durchgemacht. Denn wenn man auch äufserlichan die bestehenden Formen angeknüpft hatte, so war dochder Schwerpunkt des Staats völlig verrückt worden. Indemdie städtischen Mittelklassen, insbesondere die gewerblichenArbeitgeber, die mafsgebenden wurden, welche im gewerb-