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mehr an Steuern beizutragen." Bekannt ist Ricardos Theo-rie des Hungerlohnes, das sogenannte „eiserne Gesetz desLohnes".
Marx und seine Schüler haben solchen Lehren gegen-über später nicht mit Unrecht behauptet, dafs das tote Ka-pital Beherrscher des lebendigen Menschen geworden sei; dieAnhängerschaft, die sie gefunden, aber beweist, dafs das„Mittel zur Kapitalerzeugung" nicht gewillt ist, sich als sol-ches behandeln zu lassen.
Anschauungen, wie die von Ricardo vertretenen, warenden englischen Mittelklassen in Fleisch und Blut übergegangen.Diese Nationalökonomie war ihre Lieblingswissenschaft, wie siees in gewissem Grade noch bis heute geblieben ist; in allenpopulärwissenschaftlichen Vereinen spielte sie die gröfste Rolle.Hat doch beispielsweise sogar eine Dame, die bekannte HarrietMartineau , vielgelesene Erzählungen „illustrations of politicaleconomy" herausgegeben, indem sie die Lehren des Adam Smith ,Bentham und Ricardo novellistisch zu popularisieren sucht. Inder Verbreitung dieser Lehren erblickte man das beste Mittelzur Lösung der socialen Fragen, wie man noch heute in Deutsch-land die gedeihliche Entwicklung, welche die englischen Ar-beiterverhältnisse späterhin nahmen, damit begründet hört,dafs sich „4000 Schulen, in denen die Anfangsgründe derNationalökonomie gelehrt würden", in England befänden. (!)Beitragen mochte zur Volkstümlichkeit der Nationalökonomiedie Vorliebe der Engländer für die Naturwissenschaft. Hierfanden sie scheinbar dieselbe Exaktheit der aufgestellten Gesetze,welche mit dem Anspruch auftraten, die Naturgesetze der Gesell-schaft zu sein. Freilich hatten sie nichts mit solchen gemein;denn während jene durch Induktion entstehen, waren diese aufdeduktivem Wege gewonnen aus dem a priori aufgestelltenBegriff des abstrakten Individuums, der nirgends durch die