Erfahrung bestätigt wurde — ein Verfahren, welches an dasder griechischen Naturphilosophen erinnert, die aus der Be-schaffenheit der durch ihre Phantasie ersonnenen Atome dieWelt erklären wollten.
Durch jene Gesetze der Nationalökonomie wurde dieSelbstsucht — in den bisherigen Gesellschaftssystemendurch irgendwelche Moralvorstellungen etc. zurückgedrängt,legalisiert, ja für die Grundlage aller menschlichen Be-ziehungen erklärt. Dem „wissenschaftlich" denkenden Arbeit-geber wurde das Verhältnis zu seinen Arbeitern durch denBegriff des Angebots und der Nachfrage erschöpft — unddies zu einer Zeit, wo die französische Revolution die Lehre,dafs jeder Mensch ein Recht auf die Behandlung als Selbst-zweck habe, bereits durch das Fallbeil gepredigt hatte!
In gleicher Richtung wirkte auch Malthus , obgleichderselbe weder jener deduktiven Schule angehört, vielmehrhistorisch verfährt, noch auch individualistische Motive alsdie einzig in Betracht zu ziehenden anerkennt. Trotz seinerZuhülferufung sittlicher Beweggründe 1 , nach welchen diegeschlechtliche Enthaltsamkeit als sociale Pflicht erscheint,und trotzdem er das Gefühl der Verantwortlichkeit zu er-wecken sucht, welche darin gelegen ist, ein menschliches
1 Im Grunde ist jedocli auch, für Malthus das weit wirksamere undvor allem das wohlthätigere Element in der menschlichen Gesellschaft derseinen eigenen Yorteil verfolgende Wille des Individuums. „Wohlwollenals grofse und dauernde Quelle des Handelns würde eine vollkommeneKenntnis der Ursachen und Wirkungen voraussetzen. Es kann dahernur Attribut der Gottheit sein. Bei einem so kurzsichtigen Wesen wieder Mensch würde es zu den gröbsten Irrtümern führen und bald denschönen und gepflegten Boden der menschlichen Gesellschaft in einetraurige Scene des Mangels und der Verwirrung verwandeln." Essay onPopulation 1872 (7. Auflage) S. 492. — Aber „Wohlwollen" ist nichtdas einzige Motiv socialen Handelns.