Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
38
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Wesen ins Dasein zu rufen Gedanken , auf welchen Millspäter mit Vorliebe verweilt trotz alledem hat Malthusfast lediglich dahin gewirkt, die Ricardosehe Lohntheorie zuunterstützen. Er hat die Besitzenden darin bestärkt, allePflichten gegenüber den Nichtbesitzenden zu vernachlässigenund ihr Verhältnis zu ihnen als ein rein durch den Zwangder Naturgesetze bestimmtes aufzufassen, in das einzugreifenThorheit sei. Malthus hatte das Recht eines Menschen aufseine Existenzmittel geleugnet, indem er die Worte des Dich-ters anführte:der Arme kommt zu dem festlichen Tisch derNatur und findet ein leeres Gedeck für sich". Die Naturbefehle einem solchen Menschen, sich zu entfernen; denn erhabe ja vor seiner Geburt die Gesellschaft nicht erst gefragt,ob sie ihn haben wolle.

Diese Gedanken wurden von den Besitzenden als Armen-steuerpflichtigen auf das eifrigste ergriffen. Das bis dahingültige Armengesetz der Königin Elisabeth (1601) ging vondem Grundsatze aus, dafs die Erhaltung der Armen eineöffentlich rechtliche Pflicht sei, welche der Gemeinde obliege.Dieser Gedanke, der des modernen Polizeistaats überhaupt,war im achtzehnten Jahrhunderts weiter entwickelt worden.Es erschien als Pflicht des Staates, den Arbeitern ein Mini-mum der Lohnhöhe zu garantieren, ein Grundsatz, dem dannfreilich auf der anderen Seite die Anschauung entsprach,dafs die Arbeit als öffentlich rechtliche Pflicht dem Arbeiterobliege und als solche von ihm erzwungen werden könne.In dieser Richtung besonders bezeichnend ist der sogenannteSpeenhamland Act of Parliament", d. h. ein Edikt der Ma-gistrate von Berkshire vom Jahre 1795, in welchem sie die denArbeitern zu gewährende Unterstützung in einem festen Ver-hältnis zu dem Brotpreise und der Anzahl der Familienglie-der sich bewegen liefsen eine Bestimmung, welche den