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1 (1890)
Entstehung
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Lancashires, der gewöhnliche war. Schon seine Geburt warmit besonderen Fährlichkeiten verknüpft. Es galt als eineThatsache, dafs die Arbeiterfrau schwerer als andere Frauengebäre. Der Grund lag darin, dafs sie gewöhnlich fast biszur Stunde der Entbindung arbeitete, und zwar meist stehendarbeitete, wodurch ein dauernder und höchst schädlicher Druckauf das tragende Becken ausgeübt werde. In Manchester wurde früh eine grofsartige Entbindungsanstalt gegründet,durch welche ein Zeichen, wie schlecht bisher die Ver-hältnisse waren nach Gaskell bald mehr als die Hälftealler Wöchnerinnen der Stadt entbunden wurde. OhnePflege wuchs der neugeborene Mensch auf, von frühesterJugend an fremder Fürsorge übergeben; denn die Mutterging, sobald die Entbindung überstanden, oft schon acht Tagenachher, wieder zur Fabrik. Sobald das Kind gehen ge-lernt, wurde es sich selbst überlassen. In den engen Höfen,auf den feuchten und schmutzigen Strafsen der Industrie-städte, deren Arbeiterviertel fast durchweg damals unkanalisiertwaren, wuchs es auf. Von der freien Natur lernte es oftnichts als den Himmel über sich kennen, und auch diesensah es nur selten unverfinstert durch eine von Bauch oderNebel erfüllte Atmosphäre. War es den Gefahren entronnen,denen ein Kind in den Strafsen der Grofsstadt ausgesetzt ist,den ansteckenden Krankheiten entgangen, welche in jenenVierteln zu hausen pflegten, so ging es gewöhnlich vomneunten Jahre an in die Fabrik. In gewisser Beziehungmochte es hier besser aufgehoben sein, als bisher.Menschen-freundliche" Fabrikanten bekämpften die Zehnstundenbill,welche für jugendliche Arbeiter eine gesetzliche Arbeitszeiteinführen sollte, damit, dafs es grausam erscheine, das Kindaus dem warmen Fabriksaal in die Kälte und Öde des elter-lichen Heims hinauszustofsen. Dafs unter solchen Zuständen

v. Schul.ze-Gaevernitz, Weg z. soe. Frieden. 4