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1 (1890)
Entstehung
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mufste Leuten, die unter dem Einflufs Ricardos und Cobdensstanden, ein Anachronismus erscheinen. Aber des Eindrucksverfehlte er auf die Dauer schon um seines Ernstes willennicht. Denn unbeeinflufst von der Tagesgunst, unberührt von( der Tagesmeinung wandte er sich allein an das Gewissen

seines Volkes ein Jesaias im XIX. Jahrhundert.

Aber Carlyle war mehr als ein puritanischer Bufsprediger.Im Besitze des ganzen Bildungsschatzes seiner Zeit und mitden Mitteln des modernen Denkens hatte er die von ihmangegriffenen Richtungen, die herrschenden für die Zeit-genossen, innerlich überwunden. Hieraus folgt, dafs er imBesitze einer originalen Weltanschauung sich befand imGegensatze zu John Stuart Mill was das Wesen einesgrofsen Philosophen und geistigen Neuerers ausmacht.

Wenn Carlyles philosophische Bedeutung lange verkanntwurde, so beruht das auf der Darstellungsweise. Dieselbe istnichts weniger als systematisch. Erst wiederholtes Durch-> lesen seiner Werke, welche in den 40 Bänden der Bibliotheks-

ausgabe von Chapman gesammelt sind, führt zur Erkenntnis,dafs die durch sie verstreuten Bemerkungen über die Welt,die Geschichte und die menschliche Gesellschaft eines innerenZusammenhangs nicht ermangeln. Allmählich wachsen diescheinbar oft widersprechenden Gedanken zu jener Einheitzusammen, wie sie die Gedankenwelt grofser und schöpferischerMenschen zu bezeichnen pflegt. In dieselbe einzudringen, sienachzudenken und in einem Systeme, das selbständig zu ent-werfen war, darzustellen, ist die Aufgabe dieses und desfolgenden Kapitels. Die socialpolitische Seite war nicht aus-drücklich hervorzuheben, da sie bei Carlyle selbst in den Vordergrund gerückt ist. Wir finden bei Carlyle Berührungs-

punkte mit der Weltanschauung des Goethe der Wanderjahre,des Faust, der Gespräche mit Eckermann sowie durch Goethe