Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
89
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Schwung von einer individualistischen zu einer antiindividua-listischen Weltanschauung mitgewirkt hat, den wir in vor-liegender Arbeit in seinen verschiedenen Formen verfolgen.

Man hat gesagt, dafs England zu verstehen unmöglichsei, ohne seine Kirche zu verstehen. Von allen Engländernaber dürfte Carlyle derjenige sein, dessen Verständnis amwenigsten zu erreichen ist, ohne Rücksichtnahme auf diekirchlichen Verhältnisse, unter denen er aufwuchs.

Grofse Bewegungen, die einem Zeitalter ihren Namengaben, haben ein ganzes Volk nie auf einmal ergriffen.Zuerst in Wenigen erwacht, breiten sie sich alsbald über dieMasse derer aus, die geistig und politisch im Vordergrundstehen. Dagegen bleiben noch lange abgelegenere Kreisevorhanden, in denen die alten Zustände sich erhalten. Hinterder Aufklärung des vorigen und unseres Jahrhunderts liegtnun ein Zeitalter der religiösen Leidenschaft, welches demunseren als Reaktion gegen die Überspannung der Gefühls-und Willenskräfte eine vorwiegend rationalistische Stimmungzurückliefs. Aber noch lebt in breiten Schichten der Geistjener früheren Zeit fort, ganz besonders unter den Völkernangelsächsischer Zunge, welche von der religiösen Bewegungam spätesten erfafst, aber dann mit einer Gewalt erschüttertwurden, wie sie kaum in den ersten Jahrhunderten derKirchengeschichte ihres gleichen findet.

Äufserlich freilich konnte sich weder die englische nochdie schottische Kirche dem Einflüsse der Zeit entziehen, seit-dem sie um ihr Dasein zu kämpfen aufgeholt hatte. Ins-besondere verwuchs die englische Kirche mit der herrschendenAristokratie und wurde nicht ohne vorhergehende Kämpfeein Teil und eine Stütze der Staatsverfassung. Vornehm ge-worden , vernachlässigte sie, nicht weniger als einst dierömische, ihre socialen Pflichten. Jener Zeit gehört das aus