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1 (1890)
Entstehung
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als die Welt des Individualismus, in die er nunmehr hinaustritt.Noch ein anderes verdankte er seiner Abstammung: unge-mischtes germanisches Blut, dessen er sich später gernerühmte. Insbesondere besals er eine innere Verwandtschaftzur deutschen Sinnesart, die ihn alsbald zur deutschen Litte-ratur führte, und diese, zu den allerdings weit stärkerenEindrücken seiner Jugend hinzutretend, bildet die zweiteGruppe von Einflüssen, welche seine Persönlichkeit vollenden.

Vierzehnjährig verläfst Carlyle sein Heimatsdorf und wan-dert zu Fufs nach Edinburg , um dort das entbehrungsvolleLeben eines schottischen Studenten zu beginnen. Zur Theo-logie bestimmt, geht er bald ausprohibitorischen Zweifeln"zum Studium der Jurisprudenz über, erwirbt alsdann infolgeeiner gelösten Preisarbeit eine Lehrerstelle der Mathematik,liegt diesem Berufe eine Reihe von Jahren an verschiedenenSchulen ob und veröffentlicht in jener Zeit sein erstes Buch:eine Übersetzung von Legendres Geometrie mit einem selb-ständigen, und wie Sachverständige erklären, nicht unbe-deutenden Kapitel über Proportionen.

Diese äufsere Zersplitterung ist das Abbild einer schwereninneren Krise, wie sie durch den Zusammenstofs zweier,durchaus verschiedener Weltanschauungen hervorgerufen ward.Die Zeit des Werdens umfafst bei Carlyle, von Eintritt indie Universität an gerechnet, volle zwanzig Jahre, innerhalbderen er mit wunderbarer Kraft den Bildungsschatz seinerZeit in sich aufnimmt. Seine Frau erzählt von ihm, dafs ertäglich einen Band schweren, wissenschaftlichen Inhalts be-wältigte. Er sammelte so, von einem vortrefflichen Gedächt-nis unterstützt, jene erstaunliche Fülle von Kenntnissen, dieihm den Stoff bot, um der beste Unterhalter,the best talkerof England" zu werden. Wichtiger aber als das: innerhalbjener zwanzig Jahre gelangt er unter schweren Kämpfen zu