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ihm erhaltene, aufweisen. Er wandte später auf sich jenesWort an, das Dantes Persönlichkeit bezeichnet: „sieh da, einMensch, der in der Hölle gewesen ist." Sein Pessimismusführte ihn, den socialen Kämpfen der Zeit gegenüber, in dasLager der Unterdrückten. Bezeichnend für Carlyles damaligenStandpunkt ist folgende Geschichte. Er wurde von einemBekannten gefragt , ob er bei einem jener kleineren, damalsso häufigen Arbeiteraufstände, bei dem er zufällig zugegenwar, als die Miliz Ruhe stiftete, geholfen habe. „Auf welcherSeite", fragte Carlyle, „auf der der Unterdrücker oder derUnterdrückten?"
Wenn Carlyle den Standpunkt des Individualismus undden sich für ihn hieraus ergebenden Pessimismus verläfst, soist der wichtigste Faktor in dieser Entwicklung der Einflufsdes Puritanismus seiner Heimat und seines Elternhauses.Mitgewirkt hat das Studium der deutschen Litteratur. Carlyleselbst legt den Hauptnachdruck darauf, dafs sein Pessimismussich selber aufgezehrt habe. Die Leiden hätten in ihm dieÜberzeugung erwachen lassen, dafs das Ich im Menschen nichtder Zweck und Mittelpunkt des Daseins sei. Carlyle mtlfstekein Abkömmling der Puritaner gewesen sein, wenn sich ihmnicht diese Veränderung seiner Anschauungen als „conversion",d. i. Bekehrung dargestellt hätte. Nennt er doch bei derDarstellung des Lebens des von ihm viel bewunderten OliverCrom well die „Konversion", unter welcher Denhform sie sichauch vollziehe, die „einzige Epoche im Leben des Menschen".Sie ist der Punkt, in dem der Mensch den Unterschiedzwischen Gut und Schlecht, welcher der individualistischenPhilosophie ein relativer zu sein scheint, als absolutenerfafst.
Wie ihn Goethe bei dieser Gelegenheit beeinflufste,darüber findet sich eine interessante Notiz aus dem Jahre