II.
Carlyles Tlieorie (1er Gesellschaft.
Trotz alles Einflusses deutscher Gedanken ist die GarlylescheWeltanschauung original. Der Gegensatz zwischen Individua-lismus und Altruismus war für ihn so bedeutend geworden,dafs er nicht nur seine eigene Entwicklung, sondern auch dieder menschlichen Gesellschaft unter diesem Gesichtspunktebeurteilte.
Das Ursprüngliche sind nach Carlyle Verhältnisse desreinen Individualismus, in denen der einzelne nur sich selbst,die eigene Erhaltung und den eigenen Genufs will und dasDasein der andern, soweit sie ihm hinderlich sind, verneint.Es sind das gesellschaftslose Zustände, das bellum omniumcontra omnes. Nicht gröfsere körperliche Fähigkeiten nunhaben den Menschen über das Tier emporgehoben. Ebenso-wenig war es der Verstand, welcher, von dem auch den Tierengegebenen sinnlichen Wahrnehmungsvermögen nur dem Gradenach verschieden und ausschliefslich auf das Material dersinnlichen Erfahrung angewiesen, lediglich eine Komplikationjenes ist. Das ganze Gebiet des Denkens ist nach Carlyleähnlich den körperlichen Fähigkeiten zum Zwecke der Er-haltung des Individuums entwickelt.
Vielmehr ist es das Leben in gesellschaftlichen Zuständen,was den Menschen vom Tier unterscheidet. Alle Gesellschaftabei" beruht nach Carlyle auf dem Erwachen altruistischerMotivationsweise, d. h. auf einem gewissen Quantum von Ent-sagung und Hingebung auf Seiten des einzelnen. Carlylebezeichnet dieses die menschliche Gesellschaft begründendeElement als „Loyalität", dieses Wort in einem viel weiteren