Sinn als gewöhnlich geschieht, nehmend. Dieselbe istdem nur die egoistischen Motive begreifenden Verständeschlechterdings unverständlich, daher sie dem Menschen alsetwas jenseitiges, als „infinite", „mysterious", „religious "erscheint. Carlyle wendet sich ähnlich wie Comte gegenalle Theorien, welche die Gesellschaft aus individuellenTrieben ableiten. Falsch vor allem ist die Vertragstheorie,die ein durchaus ungeschichtliches Individuum voraussetzt.Unrichtig, obwohl der Wahrheit viel näher, ist die Annahme,dafs die Gesellschaft durch Gewalt gegründet sei. Denn inder Natur ist im reinen Individualkampf ums Dasein dasWerk des Starken die Vernichtung, nicht die Unterwerfung desSchwachen. Dort dagegen, wo sich ein Herrschaftsverhältuisausbildet, ist der Grund zur Gesellschaft gelegt. Die Herr-schaft des Starken über den Schwachen ist der Urtypus allerGesellschaft, die Teilung in Herrscher und Beherrschte dieursprünglichste Arbeitsteilung, welche auch in den Verhält-nissen höchster Civilisation die wichtigste bleibt. DiesesHerrschaftsverhältnis ist nicht individualistischer Natur wieetwa die „Auswahl der Wehrhaftesten", auf welcher nachMacchiavelli die Entstehung der Gesellschaft beruht. Dieservon Polybius beeinflufste Gedanke gleicht dem Carlyleschennur äufserlich. Im Grunde ist er durchaus individualistisch,wie das ihm entsprechende, utilitarische Moralsystem beweist.Das Herrschaftsverhältnis des Carlyle dagegen, beruhend aufdem Willen des einzelnen, seine Persönlichkeit der Um-gebung aufzuzwingen, ist nicht aus dem Egoismus abzu-leiten, wiewohl ursprünglich mit ihm reichlich versetzt. Sinddoch Aristokratien nur so lange stark, als sie die Macht,nicht den Genufs verfolgen. Auf Seiten der Beherrschten istes die Furcht, die zunächst zum Gehorsam treibt. Aber sehrbald werden auch hier altruistische Motive wirksam. Keine
v. Scliulze-Gaevernitz, Zum soc. Frieden. 8