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ihre geborenen Herrscher, sie waren „in der Lage, England zubeherrschen". „Indem sie das thaten, handelten sie, wenigbewufst einer solchen Funktion, als eine ungeheuere freiwilligePolizeimacht, über das ganze Land stationiert, in feudalenRegimentern zusammengefafst, stets bereit zur Aktion: starketeutonische Männer, welche sich im ganzen als erfolgreicheMänner bewährten und dieses wilde teutonische Volk zu Ein-heit und friedlicher Zusammenarbeit drillten, besser als anderees gethan haben würden".
Gehen so die herrschenden Klassen als die gesellschaft-licheren den beherrschten in der Entwicklung voran, sosind es doch einzelne Menschen, die altruistischen Denkensund Handelns mehr als ihre Zeitgenossen fähig, die Fort-schritte in der Geschichte hervorbringen. Sie sind die„Helden" (heroes), welche ursprüngliche Zeiten als Götteroder Halbgötter verehrten. Noch heute sind sie die wich-tigste Erscheinung ihrer Zeit. Carlyle teilt den GlaubenGoethes an die Bedeutung der grofsen Männer für die Ent-wicklung der Menschheit — dafs „einzelne Menschen durchdas, was von ihnen ausging, ihrem Zeitalter ein Gepräge auf-drückten", während „das Zeitalter es war, das den Sokratesdurch Gift hinrichtete, das Hussen verbrannte"' . Diese Heldensind die eigentlichen Herrscher der Menschheit, mögen sieals Könige bei ihren Lebzeiten oder als Priester, Religions-stifter, Denker erst nach ihrem Tode dieselbe sich unterthanmachen („hero as king", „hero as priest") 2 . Die Rückführungaller gesellschaftlichen Gebilde auf ein Autoritätsverhältnis hatCarlyle vielfache Angriffe zugezogen. Dafs Carlyle kein Ver-teidiger des politischen Despotismus ist, geht schon daraus
1 Vergl. Goethe, Sprüche in Prosa Nr. 272.
2 Vergl. Flügel, Carlyles Entwicklung S. 51. Leipzig 1888.
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