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1 (1890)
Entstehung
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Motiven.Der gebräunte Arbeiter findet es kein Kinderspiel,die rauhen, unbiegsamen Massen zu formen; aber auch Lei-tung von Menschen ist kein Dilettantismus. Wenn sie alssolcher behandelt wird, dann streift das wilde Rofs heimatlosdurch die Wildnis, und wird nicht mehr zu Stall und Futtergeführt."

In dem Grade als der einzelne abhängiger wird von derGesamtheit, in demselben Grade wird die letztere mehr undmehr ein ganzes. Als solches findet sie ihre Analogie imReiche der Einzelorganismen. Carlyle vergleicht die Gesell-schaft wiederholt mit dem tierischen und pflanzlichen Orga-nismus. Allerdings lag es nicht in seiner Natur, diesen Ver-gleich streng wissenschaftlich durchzuführen, wie das HerbertSpencer gethan hat, nach dessen Ausführungen es nichtmehr ein Bild, sondern eine wissenschaftlich begründete Sub-sumtion ist, die Gesellschaft als Organismus zu bezeichnen.In folgenden Punkten scheint der Vergleich zwischen Gesellschaftund lebendem Organismus für Carlyle von Wichtigkeit zu sein.

Ganz ebenso wie das Leben als solches unbegreiflichist, so ist es auch die Gesellschaft, ja sie ist als eineorganische Zusammenfassung von Organismen das wunder-barere:ein zweites uns umfassendes Leben",the wonderof wonders". Daher sind alle Theorien verfehlt, welche dieGesellschaft verstandesgemäfs erklären wollen; ihrem Wesenhaftet, wie oben gezeigt, ein unauflösliches Element bei. JeneTheorien, könnte man diesen Gedankengang fortsetzend sagen,gleichen den Fantastereien bezüglich der Entstehung des orga-nischen Lebens, welche die Wissenschaft aufgegeben hat. Da-gegen ist die Entwicklung der Gesellschaft von einfachen bis zukomplizierteren Formen wohl verständlich und Gegenstand dermenschlichen Erkenntnis, ähnlich wie Darwin das einfachsteLeben gesetzt die Entstehung der höheren Lebewesen