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1 (1890)
Entstehung
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hören als selbständige Einzelwesen thätig zn sein und inzunehmendem Grade Organe des Gesellschaftslebens werden.Wie wird nun der einzelne, der sich einer solchen Funktionmeist völlig unbewufst ist, zur Thätigkeit für die Zweckeder Gesellschaft bestimmt? Diese Frage hat Carlyle vielbeschäftigt, wie bereits derSartor Resartus" beweist.Ihre Beantwortung geschieht durchaus folgerichtig aus demGrundgedanken seiner Philosophie. Die Gesellschaft bringtim Menschen ihr entsprechende Veränderungen hervor:sociale Ideen", welche neben dem ursprünglichen Egoismusnunmehr sein Handeln altruistisch motivieren. Es sind diesdie von Carlyle allenthalben erwähnteninneren Formen derGesellschaft". Indem nun diese subjektiven Veränderungensich in allen Gliedern der Gesellschaft oder doch inbreiten Klassen derselben gleichmäfsig vollziehen, gewinntdas Handeln der Menschen etwas übereinstimmendes. Esbilden sich objektive Regeln aus, welche von der Willkür deseinzelnen unabhängig sind:die äufseren Formen der Gesell-schaft", die Sitten, die Institutionen, die nichts als der Aus-druck der inneren Entwicklung sind. Hierin ergiebt sich einBerührungspunkt mit einem scheinbar weit entgegengesetztenDenker: H.Spencer . Werden doch die ein Ganzes zusammen-setzenden Einheiten auch nach ihm durch Veränderungen,welche das Ganze durchmacht, mit modifiziert, so dafs jedeEinheit mehr oder weniger ein Abbild der Organisation desGanzen in sich trägt, woraus Spencer in seinen Prinzipien derBiologie wichtige Folgerungen betreifend die Vererblichkeitder erworbenen Eigenschaften ableitet; jedoch gilt nach ihmder Satz ebenso für das sociale Ganze, die Gesellschaft. Esist klar, dafs hiermit die Lehre des Socialismus unvereinbarist, welcher durch äufserliche, d. h. gesetzliche Veränderungendie Entwicklung der Zukunft bestimmen zu können meint.