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Wollen nicht etwa abstrakt; es ist auf bestimmte vorgestellteZwecke gerichtet, z. B. auf Nahrung, Begattung, Vermeidungbestimmter Gefahren u. s. w r . Das Material zu diesen Vor-stellungen gewährt die sinnliche Erfahrung, welche sichihrerseits an dem Gegensatz zu wollender und nicht zuwollender Dinge entwickelt hat. So wäre, wie das Bei-spiel niederer Tiergattungen zeigt, eine Unterscheidung vonwarm und kalt, hell und dunkel gar nicht entstanden,wenn sie nicht für die Erhaltung des Individuums undseine Befähigung im Kampfe um das Dasein von Nutzengewesen wäre. Das gleiche gilt vom Verstände, welchernichts als eine Weiterbildung des sinnlichen Wahrnehmungs-vermögens ist. Je weiter die gewollten Ziele rücken, jeschwieriger ihre Erreichung wird, je mehr Voraussicht indie Zukunft sie erfordert, desto mehr wird die Zusammen-fassung der sinnlichen Erfahrung in Begriffen und Gesetzennotwendig. So ist der Verstand lediglich zu praktischenZwecken entstanden, eine Waffe im Kampfe um das Daseinund zwar die allervorzüglichste, durchaus mechanisch undfolgerichtigerweise zum Materialismus führend.
Es ist wichtig für das Verständnis Carlyles, dafs nach ihmdas gesamte Gebiet des Bewufstseins nur zum Zweck der Er-haltung des Individuums entwickelt ist und insofern nur eine rela-tive Bedeutung besitzt. „Die Gedankenformen, Baum und Zeit,beherrschen unvermeidlicherweise unsere ganze praktischeDenk- und Auffassungsweise". „Die Festlegung der äufserenNaturvorgänge in Gesetze" ist das Mittel, wodurch das Indi-viduum lebt. Vom individualistischen Standpunkt aus ist dieNatur „ein unermefsliches Buch ökonomischer Rezepte, einenormes nahezu unerschöpfliches Kochbuch für den Haus-gebrauch", welches Institute und Akademien der Wissenschaftzu bereichern bemüht sind.