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sagen fafsbar dazustehen". „Durch Symbole wird der Mensch",d. h. der gesellschaftliche Mensch, „sei es bewufst oder unbe-wufst geleitet" L Als einfaches Beispiel eines solchen Sym-bols führt Carlyle die Fahne des Soldaten an. „Habe ichnicht selbst erlebt", sagt der Sartor Resartus, „wie fünf-hundert lebendige Soldaten sich um eines glänzenden StückesTuch willen, das sie ihre Fahne nannten, und wofür manauf keinem Trödelmarkt mehr als drei Groschen bekommenhätte, in Stücke hauen liefsen?" Man sieht an diesem Fall,wie es ein gewisser, nach Nützlichkeitsgründen nicht zu be-rechnender Wert ist, welchen die Menschen dem Symbol bei-legen, und durch welchen sie zu Handlungen der Selbstauf-opferung bestimmt werden. Ein ähnliches Symbol, welchesvielleicht bei jenen Soldaten mit in Betracht kam, ist dieIdee des Vaterlandes. Nicht eine bestimmte Anzahl mensch-licher Individuen ist es, nicht eine Quadratmeilenzahl Landes,welche für sie das Vaterland ausmacht, sondern ein jenensinnlichen Dingen beigelegter, schlechterdings unbeweisbarerWert, der den Wert ihres eigenen Daseins für sie beiweitem übersteigt. Mit fortschreitender Entwicklung pflegendie Symbole abstrakter zu werden; an die Stelle des persön-lichen Gefühls für den Monarchen tritt das Staatsgefühl u. s. w.Aber man täusche sich nicht; auch diese abstrakteren Be-griffe bleiben Symbole, indem auch sie, wie alle Begriffe,aus dem Material der sinnlichen Erfahrung aufgebaut sind,und nicht dieses es ist, sondern sein transcendenter Wert,den wir lieben und für den wir uns aufopfern. Die höchstenund wichtigsten aller Symbole sind die religiösen Symboleim engeren Sinn, denn durch sie erhebt sich der Mensch zumhöchsten Grade der Hingebung: der Ehrfurcht. So ist auch