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z. B. der Übergang des Glaubens an viele, bestimmt vor-gestellte Götter zu dem Glauben an einen unfafsbaren Gottzeigt. — Jedoch ist dieser Nachteil des Glaubens gegenüberdem Wissen nur ein scheinbarer, indem der Wechsel nur denvergänglichen Kern berührt. Der Sieg des Wissens kann umdeswillen kein endgültiger sein, weil seine Vorbedingung, dasgesellschaftliche Dasein des Menschen, mit dem Glauben stehtund fällt. Wenn die bisherigen Symbole veralten, müssenstets neue geschaffen werden. Der Glaube wird so immervon neuem wieder aufleben.
Ähnlich wie die grofsen Puritaner sieht Carlyle den Grundfür die Verschiedenartigkeit und die Vergänglichkeit desGlaubens in der Beschränktheit des glaubenden Subjekts. Erkönnte jenes Wort Cromwells ausgesprochen haben, dafs nichtalle die, welche dasselbe glauben, sondern alle die, welcheglauben, die unsichtbare Kirche ausmachen. Die Legenden undTheologien, sagt Froude, welcher mit Carlyle über diesenGegenstand eingehende Gespräche führte, verhielten sich fürihn wie die astronomischen Theorien der Babylonier, Ägypterund Griechen, welche richtig waren, so weit sie thatsäcblichesMaterial enthielten, welches auch bei der unrichtigsten vonihnen in reichem Mafse mit unterlief. In ähnlicher Weisewaren auch jene Spekulationen ehrliche Anstrengungen desMenschen, die Gesetze, unter denen er lebte, auszulegen undsein Leben danach zu ordnen. Auch unter ihnen liegenThatsachen eines jenseitigen (d. h. nicht individuellen) Lebens,welche trotz Wechsel der Theorie gleich bleiben.
Carlyle hat diesen Gedanken in zwei von Froude ver-öffentlichten Fragmenten: „Spiritual optics" des weiteren aus-geführt. Auf dem Glauben beruht von Anfang an alles mensch-liche Dasein, welches ohne ihn zu tierischen Zuständen!
zurücksänke. Dessen mufs der Mensch zu allen Zeiten sieh