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stand unbegreiflich, da sie nur durch Glaubensvorstellungenmöglich wird. Unbekümmert um Gewinn und Verlust, Loboder Tadel folgt der wahre Arbeiter allein seinem Glauben.„Er arbeitet für und in dem Jenseits; wenn er nur das Dies-seits um Rat fragt, dann kann er ebenso gut das Geschäftungethan bei Seite lassen. Denn was er zu thun vor hat,bisher noch ein Nicht-Ding (no-thing), wird alsdann nimmerals ein Ding hervorgehen, sondern als eine Täuschung, einSchein-Ding (sham-thing), welches er besser nicht getlranhätte" L
Je mehr seine Thätigkeit den Charakter der Arbeit an-nimmt, desto mehr hört der Mensch auf als Individuumthätig zu sein, desto mehr wird er zum Organ der Gesell-schaft. Letztere mufs ihn daher arbeitsfähig erhalten, ähn-lich wie das Ganze des lebenden Körpers die einzelnen Zellenmit Nahrung versieht. Dies ist die Bedeutung des Lohnes,dessen Höhe sich darnach normalerweise richtet, wie viel not-wendig ist, damit der Arbeiter gerade die ihm eigentümlicheArbeit auszubilden und weiter zu liefern imstande sei. Da-gegen beruht es auf einer vollständigen Verkennung desWesens der Arbeit, in der Bezahlung ein Äquivalent zu sehen.Denn jede wahre Arbeit ist unschätzbar und mit dem Lohnsowie dem damit etwa zu erkaufenden Genufs schlechterdingsunvergleichlich.
Die Arbeit ist der einzige Zustand, in dem derMensch des Glückes teilhaftig wird. Wenn die Selbstsuchtden Menschen unglücklich macht, so findet er im selbstlosenThun Selbstvergessenheit. „Gesegnet der", sagt Carlyle, „derseine Arbeit gefunden hat." Gleich dem alten Goethe saher in der „Erfüllung der Pflicht, die am nächsten liegt", das
1 Vergl. Garlyle, Past and Present Buch III, cap. 11.