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1 (1890)
Entstehung
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einzige Mittel, um innere Kämpfe zu beseitigen.Dem Zwei-fel, sei er von welcher Art er wolle, kann nur durch dieThätigkeit ein Ende gemacht werden".Eigentlich hast dugar keine andere Kenntnis als die, welche du durch das Ar-beiten erworben hast; das übrige ist alles nur eine Hypothese,eine Sache, worüber man in Schulen streitet, eine Sache, diesich in endlosen logischen Girkeln dreht".Der Mensch ver-vollkommnet sich durch die Arbeit. Selbst bei den niederstenGattungen von Arbeit wird die ganze Seele des Menschenvon dem Augenblicke an, wo er sich an die Arbeit macht,in einen gewissen Grad von Harmonie versetzt" allesAusprüche Carlyles.

Wenden wir uns von dem Einflufs des Glaubens auf dieThätigkeit des einzelnen zu seiner Bedeutung für die Gesamt-heit, so sehen wir, dafs die Handlungen der Menschen durchihn nicht mehr entgegengesetzte sind, die sich vielfach auf-heben, sondern mehr und mehr nach gemeinsamen Zielensich richten. Denn die Glaubensvorstellungen sind bei allenoder doch innerhalb gewisser Klassen der Gesellschaft zurZeit dieselben. Es entsprechen ihnen objective, für viele oderalle geltende Regeln des Handelns. Sie bilden dieäufserenFormen" des gesellschaftlichen Lebens, welches sich in ihnenbewegt. Sie erst gliedern die sonst unterschiedslose Massekämpfender Individuen, organisieren die Gesellschaft. DerMensch kann nicht ohne gewisse Formen leben, d. i. Sitten,autoritative Wege des Handelns.Ubi homines ibi modi".Bildet den inneren Grund einer gesellschaftlichen Zusammen-fassung der Menschen der Altruismus, so sind das äufsereMittel, durch welche sie verbunden werden, die Sitten, dieCarlyle bildlich auchsocial vestures",social garniture",d. i. gesellschaftliche Gewänder zu nennen pflegt.Ohne dieses

System von festgesetzten Wegen des Glaubens und Handelns",

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