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1 (1890)
Entstehung
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Spencerschen Idee derevolution " unddissolution 1 ". ZurZeit des Wachstums ist das Ganze mächtiger als seine Teileund die Entwicklung des einzelnen durch die des ganzen be-herrscht. Diese Bestimmung geschieht dadurch, dafs dasGanze im einzelnen Veränderungen hervorruft: Glaubensvor-stellungen, wie sie seinem Bedürfnis entsprechen. Jede Ver-änderung der gesellschaftlichen Zustände wird daher mit einerVeränderung des Glaubens, natürlich Glaube immer in demweiten Carlyleschen Sinne, verbunden sein. Aber die Kraftdes Ganzen, die Teile sich zu assimilieren, ist eine be-schränkte. Früher oder später tritt der Punkt ein, wo dasvorhandene Glaubenssystem abgeschlossen und schlechterdingsweiterer Ausbildung unfähig ist. Der alte Glaube stirbtalsdann, ein neuer ist nicht vorhanden. Damit verliert dasGanze mehr und mehr die Herrschaft über seine Teile, in denennun der Individualismus wieder die Oberhand gewinnt. Diesist die Periode der Zersetzung einer bestimmten Gesellschaft.Nach Carlyle läfst sich daher die Geschichte jedes Volkes inpositive und negative Zeiten einteilen: erstere positiv in Be-ziehung auf innere und äufsere Formen, d. h. gläubig undaufbauend, letztere in beider Hinsicht negativ d. h. ungläubigund zerstörend.

Positive Zeiten.

Nach Carlyle entstehen die Glaubensvorstellungen zu-nächst innerhalb gewisser Kreise des Volkes und verbreitensich von da über die Massen, gleichgültig, ob jene Kreisesich äufserlich hervorheben oder nicht. Im ersteren Fallheifsen sie Priester, im anderen Philosophen, Dichter etc.Daher der Satz nicht unrichtig ist:Die Dichter machten

1 Vei'gl. unten Kap. V, Anhang zu Abschnitt I.