Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
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glaubt er für sich, nicht für einen andern."Ganze Zeit-alter, die wir die Zeitalter des Glaubens nennen, sind origi-nal. Alle Menschen, oder doch bei weitem die meisten inihnen, sind aufrichtig. Dies sind die grofsen und fruchtbarenZeitalter." Der Glaube wird nicht viel besprochen, und wennschon, dann mehr in Poesie als in Prosa. Die Philosophienjener Zeiten tragen Elemente des Glaubens in sich. Wäh-rend die rein logischen auflösend wirken, wirken diepoe-tischen Philosophien" z. B. die platonische aufbauend. Fürsolche Zeiten ist der Glaube, in welchen Formen er auf-trete, die Atmosphäre, in der sich alles bewegt, eine Selbst-verständlichkeit (unquestionability"). Der einzelne ist freivon inneren Widersprüchen und hat jenen positiven Grundseines Daseins, den Logik nimmer zu legen im stände ist.Er fufst im Jenseits und mag soRaum und Zeit ruhig Trotzbieten". Er ist zum handeln geneigt und das Denken fürihn nur Mittel, nicht Selbstzweck.

Sitten und Institutionen wachsen heran; sie bewahrensolange ihre Jugend, als ihnen die Anpassungsfähigkeit an diestets sich ändernden Bedürfnisse der Gesellschaft eigen bleibt.Auch sie sind das Produkt einzelner Menschen, die den an-dern voranschreiten. Denn alles mufs einmal zum erstenmalgethan werden, und bevor es das ist, gehört es noch demReiche der Nichtexistenz an (ist einno-thing", eineim-practicability"). Nachdem erst einer einen Pfad durch diebisher unbetretene Wildnis zurückgelegt hat, folgen ihm an-dere nach. Seine Spur erweitert sich zum Wege, zur breitenHeerstrafse, die nunmehr alle auch die Unverständigensicher zum Ziele führt. Ähnlich diejenigen, welche in posi-tiven Zeiten geboren werden. Für sie giebt es gebahnteWege und allgemein anerkannte Ziele. Glückliche Men-schen! Sie kennen nicht das Schwanken der Lebenspläne,