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1 (1890)
Entstehung
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nicht das verzweifelte Suchen nach Lebenszielen. Auch denunbedeutenden unter ihnen giebt der Glaube einen inneren Halt.Sie arbeiten nicht für sich, sondern für Ideale, welche ihnenverschieden je nach den gesellschaftlichen Zuständen, aberdoch immer objektiv und unzweifelhaft entgegentreten 1 .

Gemeinsame Glaubensformen aber vereinigen die Men-schen als gemeinsame Triebfedern des Handelns. Die Gesell-schaft gliedert sich zu genossenschaftlichen Gebilden. Dereinzelne steht dem einzelnen nicht als isoliertes Atom gegen-über. Jeder ist zunächst Glied eines grölseren oder klei-neren Ganzen, für das er arbeitet, das ihn aber andererseitsträgt und schützt.

Der Unterschied zwischen Genossenschaft und dem die-selbe äufserlich nachahmenden Verein ist derselbe, wie zwi-schen positiven und negativen Gesellschaften überhaupt, denensie wechselseitig angehören. Was die subjektiven Grundlagenangeht, so ist die Genossenschaft nicht auf Zweckmässigkeits-erwägungen zurückzuführen. Sie setzt einen gewissen Gradder Selbstaufopferung und Hingabe voraus. Daher steht beiihr das Interesse des einzelnen unter dem des ganzen, wo-gegen beim Verein das Mitglied nur insoweit beteiligt ist,als es sein persönlicher Nutzen verlangt. Daher denn dieGenossenschaft einen Einflufs auf die gesamte Lebenshaltungdes Genossen ausübt, das erzeugt, was man Standesgefühl,Corpsgeist etc. genannt hat. Objektiv ist die Genossenschaftorganisch, nicht blofs im bildlichen Sprachgebrauch, indem sie,wie die Gesellschaftsform, der sie angehört, thatsächlich diePhaenomene des Lebens zeigt 2 . Individualistische Zeiten sind

1 Carlyle nennt in Past and Present diese Ideale bezeichnenderweisecommon motors".

2 Sie hat z. B. einen selbständigen Willen, wogegen im Verein stetsnur zu addierende Einzelwillen vorhanden sind, ein Wille, der natürliclier-