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1 (1890)
Entstehung
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Kirche, wie ihn gläubige Zeiten durch Handeln gelieferthaben".

2. Wenn die Entwicklung weiter fortschreitet, so kommt esdahin, dafs ehrlicherweise, d.h. durch sogenanntes freies Urteilder Glaube nicht mehr aufrecht zu erhalten ist. Aber so vieleInteressen sind mit ihm verflochten, dafs man wenigstens denSchein zu bewahren sich bemüht. Solange insbesondere dieunteren Klassen noch in einem früheren Zeitalter leben, su-chen die gebildeten den Skepticismus, zu dem jede dogma-tische Philosophie sich selber verzehrt, wegen der von ihmdrohenden Gefahren hintanzuhalten. Dies, nicht die grofsengläubigen Perioden, sind die Zeiten des Autoritäts- d. h. desunfreien Glaubens, da der Mensch einer aufser ihm stehen-den Autorität ein bewufstes Opfer des Verstandes bringt.Nimm dich in Acht, wie du Wahrheit glaubst", rufen dieMänner der Ordnung,Ruhe und heile Haut sind sehr wert-voll. Wahrheit wer kennt sie? Viele Dinge sind nichtwahr, die meisten ungewifs; sehr nützliche Dinge sind sogaroffene Lügen, auf welche wir übereingekommen sind. Sehrwenig Wahrheit ist im Umlauf, und wenn es nicht die ortho-doxe Wahrheit ist, so wird sie den Teufel mit dir spielen."Diese Denkweise nennt CarlyleJesuitismus", welchen Aus-druck er jedoch nicht auf die katholische Kirche beschränkt.Vielmehr begegnet er ihm überall im modernen England ,welches er seit der sogenanntenruhmreichen Revolution" be-herrsche. Hat doch gerade die Aufrechterhaltung aller, selbstder unglaublichsten Dogmen aus utilitarischen Gesichtspunktenin Hobbes ihren Hauptvertreter gefunden. Unglückliche Zei-ten, in denen ganze Nationen zu Heuchlern werden, und indenen es nur wenigen vergönnt ist, wahr zu sein !

Von diesen wenigen Charakteren, denen die Unwahrheitunerträglich ist,' geht die weitere Entwicklung aus. Leiden-