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1 (1890)
Entstehung
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benden, ihr angemessenen Glaubensinhalt, welchen sie ihremDenken gemäfs gestaltet und fortbildet. Die Männer, vondenen solche Bewegungen ausgingen, sind im CarlyleschenSinne wahre Helden, weil sie von einem positiven Glaubenerfüllt,nicht den Menschen, sondern Gott zu Liebe" ihr Werkverrichten. In gewissem Sinne könnte man sämtliche Iteli-gionsstifter ihnen zurechnen, weil auch diese immer an vor-handene Glaubensvorstellungen anknüpfen. Solche Männerwaren es, welche im Bewufstsein einer schweren, ihnen ge-wordenen Aufgabe, unbeirrt durch Gefahren und Verfolgungen,mehr als einmal Zustände der Zersetzung wieder organischgemacht, die Menschheit verjüngt und positiven Zeiten zu-geführt haben.

Anders dagegen, wenn der Unglaube so weit fortgeschrit-ten ist, dafs lebensfähige Keime des Glaubens unauffindbarsind. Die besseren Geister, die einen Scheinglauben ver-abscheuen, und denen die Wahrheit Bedürfnis ist, werden als-dann ihren Unglauben offen aussprechen. Indem- sie die Un-haltbarkeit der überkommenen Glaubensvorstellungen nach-weisen, wirken sie alsAufklärer". Ihr Werk ist lediglichdas der Zerstörung. Positives können sie ihren Zeitgenossennicht' geben, weil ihnen selbst der positive Gehalt fehlt.Ihre Weltanschauung bezeichnen sie als Skepticisinus, einAusdruck, welcher jedoch thatsächlich einen rein negativenInhalt hat. Irgend welche feste Weltanschauung setzt immerGlauben voraus. In gleicher Weise zerstörend verhalten siesich gegenüber den sittlichen Vorstellungen, indem sie dieüber dem Individuum stehenden Werte, welche, wie oben ge-zeigt, lediglich dein Glauben ihr Dasein verdanken, angreifenund stürzen. Daher sind sie nicht als Helden zu bezeichnen;denn ein Held ist im Carlyleschen Sprachgebrauch nur der,welcher sein individuelles Dasein altruistischen Zwecken