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1 (1890)
Entstehung
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zur Regierung von Menschen tauglich sind, zu finden, sowiedie Fügsamkeit in diesen Mangel und den Glauben, dals esdhne solche gehen wird".Das bestehende System der gesell-schaftlichen Formen ist zu schlecht. Lieber gar keine Formen!"rufen diejenigen, auf welchen die alten Zustände am schwer-sten lasten. Man predigt Zerstörung der bestehenden, ja allerGesellschaft und verspricht durch Rückkehr in den Naturzu-stand ein Paradies auf Erden; eine Richtung, welche CarlylealsAdamitismus" oder dasEvangelium Rousseaus" be-zeichnet und von welcher der moderne Anarchismus nicht zuweit abweicht.

Diese Ansichten sind thatsächlich eine genaue Umkeh-rung der Wahrheit. Denn nicht darin besteht das Unglücksolcher Zeiten, dafs Herrscher vorhanden sind, sondern viel-mehr darin, dafs sie statt Herrschern nur Scheinherrscherhaben, welche schon seit Generationen thatsächlich zu herr-schen aufgehört haben. Nicht darin besteht das Unglück,dafs gesellschaftliche Formen vorhanden sind, sondern darin,dafs sie nur noch scheinbar da sind und seit lange aufgehörthaben, den Menschen lebende und führende Mächte zu sein.

Die Beseitigung überlebter Formen ist die geschichtlicheAufgabe dieser Richtungen, die sie bald gewaltsam durch Zer-trümmerung Revolution bald durch allmähliche Zer-bröckelung Demokratisierung erfüllen. Ihre Angriffe sindzuerst nur gegen einzelne überlieferte Institutionen gerichtet. Inspäteren Stadien der Entwicklung jedoch treten Parteien auf,die mit Bewufstsein die Folgerungen ihrer Stellung ziehenund die Beseitigung des gesamten bestehenden Gesellschafts-systems auf ihre Fahne schreiben: die socialrevolutionärenParteien. Nach Carlyle ist die Bedeutung aller dieser Rich-tungen eine grofse, aber lediglich eine negative; positiverAufbau ist von ihnen nicht zu erwarten, da ihnen die sub-