Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
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sucht er sie nicht ängstlich zurückzudrängen, wie ein Aristo-krat oder Bourgeois, der für seine Privilegien, seinen Genufsund seine Ruhe zittert. Er betrachtet sie mit Ehrfurcht, wieein frommer Mönch etwa dereinst den Attila angestaunthaben mag. Sie sind ihm der Finger Gottes in der Gegen-wart. Nicht dadurch, dafs wir die Gerichte Gottes um einpaar Jahre aufschieben, sondern dadurch, dafs sie voll übereine schuldige Welt sich entladen und in allen ihren Folgenunter uns sich ausleben, ist eine Besserung und Neubelebungzu erwarten.

Hieraus erklärt sich eine gewisse Vorliebe Carlyles ge-rade für die radikalsten unter den Umsturzparteien, welcheihn für den Durchschnittstory zum Revolutionär stempelt.Freilich würden jene Umstürzler wenig zufrieden sein, wennsie den Grund dieser Vorliebe für sie erführen: Carlyleerklärt dieselbe offen daraus, dafs er in seinem Glaubenwankend geworden wäre inmitten einer ungläubigen Welt,hätten ihm nicht die Revolutionen, vor allem die grofse fran-zösische Revolution bewiesen, dafs eine Gesellschaft, die aufUnglauben, wie er es ausdrückt, auf derNicht-Gott-Hypo-these" fusse, nicht auf Wahrheit, sondern auf Unwahrheitaufgebaut und deshalb dem Untergange verfallen sei.Ihrhabt das Universum falsch ausgelegt. Ihr seid nicht inÜbereinstimmung mit seinen Gesetzen, darum werdet ihr vonihm verschlungen. Lügen, d. h. das Vorgeben eines Glaubens,während ihr nur noch an euch selbst glaubt , ist von nun anunmöglich"; dies ist nach Carlyle der Mahnruf der Revolu-tion an die Zeitgenossen.

Die Revolutionen sind mitten unter Scheinexistenzenwieder grofse Realitäten, vor denen nichts Stand halten kann,als was selber Realität ist. Ein Gesellschaftssystem, dessenFormen nicht mehr von Glaubensinhalt erfüllt sind, steht