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1 (1890)
Entstehung
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ihnen wehrlos gegenüber.Alles was verbrennbar ist, wirdverbrannt werden", sagt Carlyle.

Wenn die Entwicklung der negativen Zeiten bis zu die-sem Punkte gelangt ist, so wird wieder eine Art von Glaubenmöglich,ein neuer Glaube", der die Menschen begeistert,welcher aber dem der positiven Perioden direkt entgegen-gesetzt ist; die Altvordern hätten ihn als den Glauben anden Teufel bezeichnet. Während nämlich ein positiver Glaubeeinen absolut über dem Individuum stehenden Wert zumGegenstande hat, so vergöttert der negative den Menschenselbst. Da nun aber das Individuum in concreto stets nurdie Selbstsucht des einzelnen anregen kann, so erfindet mannun das Individuum in abstracto, dessen Rechte und dessenWohlbefinden als höchstes Ziel hingestellt werden in demaber im Grunde ein jeder sich selbst verehrt. Dasselbe ist derMittelpunkt aller Lehren des politischen Radikalismus, von JeanJacques Rousseau an bis zur revolutionären Socialdemokratie.Ein solcher Glaube ist aber nur imstande, die Menschen zunegativem Thun d. h. zur Zerstörung zu vereinigen. Sobaldes sich um die Erreichung positiver Ziele handelt, trittdas konkrete Individuum an die Stelle des abstrakten unddamit der Widerstreit selbstsüchtiger Interessen an Stelleeines gemeinsamen, durch einen Glauben getragenen Handelns.Für das Werk der Zerstörung dagegen ist dieser abstrakteIndividualismus eine Macht ersten Ranges. Er hat ganzeVölker ergriffen. Er hält seinen Siegeszug durch die Welt,nur dort, wo er auf einen positiven Glauben stöfst, ist ihmein unüberschreitbares Halt geboten.

Dieser neue Glaube aber ist im Grunde doch Individua-lismus. Deshalb mangelt den in ihm befangenen Massen jeneEinsicht, die nach Carlyle die Gröfse des Politikers aus-macht und ihren Grund in derSympathie mit den Dingen",