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also im Altruismus hat. So kommt es, dais jene radikalen Rich-tungen, zwar mächtig durch ihre Folgerichtigkeit nicht seltenvon Realpolitikern unterworfen werden: den Zwingherren derRevolution. In positiven Perioden sind die grofsen Männerdem Glauben ihrer Zeit unterthan — man denke an Lutheroder Cromwell. Nicht so in negativen Perioden, deren Hel-den ungläubig sind. Sie stehen nicht unter dem Einflüssejenes abstrakten Individualismus. Beispiele sind Mirabeauoder Napoleon . Mehr oder weniger anknüpfend an gewissenoch bestehende Formen, ist das Streben nach Macht undHerrschaft für sie das treibende Moment. So sehen wir amEnde der Entwicklung, in nahezu wieder individualistischenZuständen das reine Herrschaftsverhältnis wieder von neuemauftreten, auf nichts gestützt als die persönliche Überlegen-heit, in welchem wir das ursprünglichste Phänomen des ge-sellschaftlichen Lebens erblickt haben. Solche Zeiten geradesind zur Heldenverehrung (heroworship) besonders geneigt:man denke an die fast abgöttische Verehrung, die Voltaire genossen, und an den Napoleoncultus etc., überhaupt denCaesarismus der Demokratien. —
Die Geschichte der Menschen ist so nach Carlyle vondem Gegensatz zwischen Altruismus und Individualismus be-herrscht. Auf positive folgen negative Zeiten, auf solche desGlaubens und der Hingebung Zeiten des Unglaubens undder Selbstsucht. Den ersteren verdanken die gesellschaft-lichen Erscheinungen ihre Entstehung, den letzteren fällt ihreAuflösung anheim.
Werden nun nach Carlyle die Wirkungen hierbei vonden Gegenwirkungen stets wieder völlig aufgehoben? Ist an-zunehmen, dafs die Geschichte einen Kreislauf darstelle odereine aufsteigende Linie? Carlyle beantwortet diese Frage indurchaus optimistischem Sinne. Er ist durchdrungen von der