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1 (1890)
Entstehung
Seite
164
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und tritt notwendigerweise an seine Stelle der Individualismus.Jede Schlechtigkeit, die begangen wird, geschieht aus Selbst-sucht und trägt dazu bei, die bestehenden objektiven Regeln,d. i. das Gesellschaftssystem, zur Liige zu machen, indem siefeststellt, dafs jene für den Menschen nicht das mafsgebendeseien. Haben sich die Lügen gehäuft, so tritt ein Punkt ein,wo der Individualismus sich offen als die die Gesellschaftbeherrschende Macht erklärt. Er wird scheinbar etwas posi-tives, dasPrincip der Gesellschaft", wie die Nationalökonomielehrt; thatsächlich aber bringt er Zerstörung. Hat er seinWerk gethan, so hinterläfst er nichts als Leere, weshalb dennCarlyle sagen kann, dafs sich jede Schlechtigkeit in ihrenFolgen am Ende selber aufhebe.

Wenn die Gesellschaft trotz des Individualismus überhauptnoch besteht, so hat dies seinen Grund darin, dafs nochsociale Elemente genug in ihr vorhanden sind. Diese, sobaldsie freies Feld haben, werden in neuen Formen die Menschenorganisieren. Ein neuer Glaube wird entstehen, einzelne undKlassen werden sich erheben, um die Führung zu übernehmen.AufFreiheit, Gleichheit und Nicht-Aristokratie" hin kannnach Carlyle der Mensch gar nicht leben. Es besteht für ihnein Zwang, sich zu gliedern.

Fehlen aber einer Gesellschaft alle positiven Elemente,unternimmt sie es jene Grundsätze praktisch durchzuführen, sowerden ihr die Aristokraten aus der Fremde kommen. De nnes vollzieht sieh die Entwicklung nicht überall gleichzeitig,vielmehr findet sich neben der Zersetzung anderwärts jugend-liches Wachstum. Hierauf beruht nach Carlyle die Bedeutungder Eroberer und seine Vorliebe für dieselben. Die Eroberersind die stärkeren, weil sie die gesellschaftlicheren, d. h.besseren sind. Allenthalben waren sie Männer, denen derGenul's nicht in erster Linie stand, sondern die durch Hin-