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1 (1890)
Entstehung
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gäbe an einen Führer oder eine Idee zusammengehaltenwurden und dafür ihr Leben aufs Spiel setzten. Nicht seltenhaben sie einer untergehenden Welt neue Ideale und dadurchneues Leben mitgeteilt.

So waren es beide Faktoren vereint: ein Held im höchstenSinne des Wortes und jugendliche Eroberungsvölker, welcheder Auflösung Halt geboten, als gegen Ende des Altertumsdie europäische Welt unrettbar dem Individualismus verfallenschien. Es war der Mann in Judäa , der als der ersteHingebung, Liebe und Selbstentäufserung zum Gesetz desmenschlichen Daseins erklärte. Zu gleicher Zeit waren esVölker, die zwar weniger civilisiert, aber doch gesellschaft-lich höher stehend als die untergehende Welt, durch das Bandder Treue zusammengehalten eine Gesellschaft auseinander-warfen, die durchGewinn- und Verlustphilosophie" ver-bunden war. Das Zusammenwirken beider legte Keime zuneuem Leben und verjüngte Europa .

Wenn nun aller Individualismus eine vorübergehendeErscheinung ist und durchaus wirkungslos für die Mensch-heit bleibt, so beruht alle Geschichte auf socialem Handeln,d. i. Arbeit. Diese allein ist es, welche Erfolg hat, und zwar bei dem Zusammenhang aller Gesellschaften, der Abhängig-keit der Gegenwart von der gesamten Vergangenheitdauernden Erfolg. So kann man das von Carlyle nicht seltengebrauchte Bild als den Abschlufs seiner Lehre ansehen, dafsalle wahren Arbeiter,alle Märtyrer und edle Menschen einereinzigen unermefslichan Heerschar angehören, die seit denAnfängen der Welt unaufhaltsam weiter vorrückt. Ein un-geheures, alles eroberndes, flammengekröntes Heer, in welchemein jeder Krieger edel und heilig ist".

Anhangsweise sei bemerkt, dafs die Carlylesche Auffassungder gesellschaftlichen Erscheinungen innere Verwandtschaft mit