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die nicht eben so durchsichtige Thatsache keineswegs decken.Auch geht die Thatsache über sie hinweg; denn schon allent-halben regen sich, wenigstens innerhalb der Welt der ger-manischen Völker, Keime neuen organisch socialen Lebens.Vergebens sucht sich die formalistische Rechtswissenschaftdadurch zu retten, dafs sie sich vom Leben abschliefst, ja,ganze Gebiete, die unzweifelhaft der rechtlichen Ordnungunterfallen, damit Preis giebt, dafs hier die „juristische Kon-sequenz" durch „Zweckmäfsigkeitserwägungen" durchbrochensei. Ein wunderbares Denkmal einer Zeit, in welcher sowohlauf dem Gebiete des Denkens wie des Lebens sociale Beweg-gründe über individualistische die Herrschaft zu gewinnenbegannen, wird der Nachwelt einst das neue bürgerliche Ge-setzbuch Deutschlands sein, in dem der allenthalben aufder Rückzugslinie befindliche Individualismus seinen Triumphfeiert — freilich dadurch, dafs er alles nicht zu bewältigendeignoriert.
Anhänger der entgegengesetzten Richtung, als derenVertreter unter den Lebenden vor allen Otto Gierke hervor-zuheben ist, werden aus vorliegendem Buche ersehen, wieeine antiindividualistische, wahrhaft sociale Gesellschaftsauf-fassung heute das Leben eines der ersten und dem unsernnahe verwandten Kulturvölker umgestaltet, wie in dem Mafse,als dies geschieht, an Stelle des Kampfes, der die Gesellschaftauseinanderzusprengen droht, der Friede tritt. Sie werdenvielfach Bestätigung ihrer Anschauungen finden, sobald sie be-denken, dafs es sich hier nirgends um rechts wissenschaftliche,sondern lediglich um allgemeinwissenschaftliche Gedankenhandelt, welche sich zugleich auf einem durchaus verschiedenenthatsächlichen Hintergrund aufbauen, als ihn die heimischenVerhältnisse darbieten.
Sollen wir kurz die Hauptpunkte der Übereinstimmung