- 173 —
liegender Gründe willen. Auch der Protestantismus ist diesemFehler erlegen, nachdem er zur Orthodoxie verknöcherte. Seitder „für alle Zeit gesegneten Restauration", wie man dieRückkehr Karls II. genannt hat, ist der jesuitische Sinn inEngland eingezogen. „Indem wir den Namen des heiligenIgnatius verdammten, haben wir in wachsendem Mafse seinSystem angenommen und in ihm eine gesunde Grundlageunseres Lebens erblickt." Wir begannen zu glauben, dafsmenschliche Symbole, die für frühere Generationen einmalThatsachen deckten, an sich die Kraft haben, uns zu retten,dafs wir sie deshalb, auch wenn heute inhaltlos, äufserlichfesthalten müfsten. Während eine gesunde Religion für denMenschen gerade die Thatsachen umfafst, welche für ihn sosicher sind, dafs sie der Ausgangspunkt seines Denkens undHandelns werden, so könnte man heute die Religion als dieZusammenfassung der Sätze definieren, über welche derMensch am meisten zweifelt. Während früher gerade aufdem religiösen Gebiete jeder zur Sicherheit eines Ja oderNein zu kommen bemüht war, so begnügen sich heute dieMenschen mit einem Ja und Nein oder gar Ja obgleich Nein 1 ,gleichgültig gegen Wahrheit oder Unwahrheit. Die Religionverliert damit die Funktion, welche ihr nach Carlyle im Lebender Gesellschaft zukommt. Ihre Bedeutung besteht in ge-sunden Zeiten darin, dafs sie den Mittelpunkt, um den sichdas Dasein des einzelnen bewegt, aus dem Individuum hinaus-verlegt. Dieses selbst wird zum blofsen Mittel, ein aufserihm Stehendes zum Zweck. Deshalb wirkt die Religion inVerbindung mit den andern, ihr nahe stehenden Glaubens-vorstellungen social aufbauend. Ganz anders heute. DieReligion wird damit zum Mittel für ein diesseitiges und, so-
1 Latter Day Pamphlets S.- 276.