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1 (1890)
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und socialen Verhältnisse seiner Zeit. Seit der Restauration,durch die englische Philosophie vorbereitet, wohnt dem mo-dernen Denken des gröfseren Teiles Europas eine gemeinsameTendenz hei: der Materialismus. Seit jener Zeit nämlichhatte der kritische Geist die überkommenen Glaubensvor-stellungen, eine nach der andern, zerstört. Übrig gelassenallein war die sinnliche Wahrnehmung, d. h. für die Er-klärung der Welt die Materie. Da der Mensch, insbesondereder handelnde Mensch auf die Dauer einer Weltanschauungnicht entbehren kann, so mufste neben den Skeptieismus alsseine volkstümlichere Ergänzung der Materialismus treten.In engem Zusammenhange hiermit steht das Überwiegen derNaturwissenschaften, in dem Th. Carlyle ein Zeichen der Zeiterblickt 1 . Besteht doch ihr Hauptfortschritt darin, dafs siedie Annahme von Kräften und Wesenheiten, welche nicht aufexakter Erfahrung beruhen, beseitigt haben, selbst die kom-pliziertesten Erscheinungen auf Materie und ihre Bewegungzurückführen und so, um mit Comte zu reden, vom meta-physischen Zustande aus sich mehr und mehr dem positivenannähern. Wenn Carlyle in dieser Entwicklung nichts als einProdukt des Prozesses der gesellschaftlichen Auflösung er-blickte, so war das eine Einseitigkeit, die ihn, ohne ihn jegelesen zu haben, Darwin bekämpfen liefs, weil er in ihmeinen neuen Vertreter und Verbreiter der materialistischenWeltanschauung erblickte. Er ahnte nicht, dafs ihm mit demscheinbar so entgegengesetzten Denker Berührungspunkte genuggemein waren 2 .

Dem Materialismus entspricht auf moralischem Gebietedas Utilitariertum, nichts als eine andere Seite derselben

1 Vergl. Miscellaneous Essays II, S. 321.

2 Vergl. oben S. 110. Später soll Carlyle sein Urteil über Darwin geändert haben.

v. Seliulze-Gaevernitz, Zum soc. Frieden. 12