Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
178
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Erscheinung. Wenn die Glaubensvorstellungen dahin schwin-den, so bleibt nichts als die persönliche Lust- und Schmerz-empfindung, um das Handeln des Menschen zu leiten. DasZiel der Gesellschaft wird von diesem Standpunkte ausdashöchste Glück der gröi'sten Masse",die Vervollkommnungder Rasse" etc. Dieses Ziel hat jedoch nichts mit den altenIdealen gemein, die den Menschen einst zur Aufopferung be-stimmten. Dasselbe ist ein rein diesseitiges. Der Begriff desGlückes ist durchaus individualistisch gefafst. Ja man gehtweiter. Man hält jenes Ziel nicht nur für das theoretischrichtige, sondern auch für das thatsächlich allein wirksame.Jenem Materialismus erscheint jede andere Motivierung desMenschen unverständlich. So glaubt man denn aus den Be-weggründen der Lusterreichung und Schmerzvermeidung diekomplizierten Erscheinungen des individuellen wie gesellschaft-lichen Lebens ableiten zu können, auch für positive Zeiten.

Für Carlyle ist das Bemühen umdas höchste Glück dergröi'sten Masse" notwendig erfolglos. Denn für ihn ist dasLeben mit Leiden und Mühen seinem Wesen nach behaftet,und das Glück besteht nur darin,zu arbeiten und zu wissen,woran man zu arbeiten habe", was nur durch Glaubensvor-stellungen möglich ist. Diese Anschauung ist der herrschen-den gerade entgegengesetzt. Philosophen wie Nationalökonomenlehren, dafs ein persönliches, diesseitiges Wohlsein für denMenschen das allein erstrebenswerte Ziel sei, dessen Erreichungbis zu einem gewissen Grade nicht unmöglich sei. Hierinstimmen die sogenannten klassischen englischen National-ökonomen einerseits mit den Merkantilisten und dem eudämo-nistischen Polizeistaate des vorigen Jahrhunderts, andererseitsaber auch mit der modernen Socialdemokratie überein. Nurdie Mittel zur Erreichung des Zieles sind verschieden. Aberdie konsequentere Ansicht ist die, welche das Individuum so