kannte die Furcht vor Übervölkerung nicht. Was man sonannte, war nur ein Zeichen davon, dafs die Kraft des ger-manischen Stammes noch ungebrochen fortdauerte. Vielleichtwar dieser gerade heute daran, die Welt von neuem zu über-fluten, wie er einst gethan. Carlyle erkannte das unbedingteRecht der Eroberer an, welche alternde Gesellschaften be-seitigen oder reorganisieren. Er kam damit den IdeenDarwins nahe. Denn dessen Einwurf gegen Nützlichkeit dersogenannten „preventive checks" wäre gewesen, dafs die mitdem Anwachsen der Bevölkerung verbundene Steigerung desKampfes ums Dasein die natürliche Auswahl und damit dieVervollkommnung der Art befördere, während man durch jenekünstlichen Mittel gerade diese günstige Wirkung gefährde.
Wie sehr Carlyle aber die Pfeile seines Spottes gegendie Malthusianer richtete, so hat er doch in Malthus selbst,welcher bekanntlich einer historisch induktiven Methode folgt,nie einen Vertreter der von ihm bekämpften individualistischenNationalökonomie gesehen. Vielmehr war es Jeremias Bentham ,welchen Carlyle innerhalb seiner Zeit als seinen eigentlichenAntipoden betrachtete. In ihm schienen die individualistischenRichtungen ihren Vereinigungspunkt gefunden zu haben. Ei-erst. hatte die äufsersten Konsequenzen jener Weltanschauung,die nur das Gesetz der Schwere und den Hunger als bewegendeMächte anerkennt, gezogen und damit ausgesprochen, wasalle Welt mehr oder weniger deutlich dachte 1 . Man kann
1 Dafs Bentham in der That der eigentliche Vertreter des Utilitarier-tums und der Philosoph der klassischen Nationalökonomie ist, erkenntHeld (Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands 1881) an. Er be-zeichnet Bentham als „den eigentlichen Propheten des modernen Eng-land" , dessen Eigentümlichkeit „unbedingte Kritik des bestehenden Rechtesaus Vernunftspostulaten unter absoluter Verwerfung des Gewordenen alssolchen sei".