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1 (1890)
Entstehung
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ihn so als den äufsersten Punkt jener Richtungen betrachten,welche schon das achtzehnte Jahrhundert durchziehen. Uberihn hinauszugehen, ist unmöglich. Wenn daher die Utilitariersich für die Verkünder einer neuen Weltordnung halten,so ist ihnen zu erwidern, dafs sie vielmehrein Nachtrabseien, der so weit hinter den andern zurück ist, dafs er sichfür einen Vortrab hält" 1 . Aber wenn sie auch theoretischnichts neues gebracht haben, so sind sie doch als Populari-sierer jener Lehren von gröfstem Einflufs gewesen.Wenndie Philosophie des Nutzens, aufser in England , unter denDenkern zu existieren aufgehört hat, so ist sie zu den Zeitungs-schreibern und der Masse des Volkes hinabgesunken. Siebedarf keines Predigens mehr, sondern ist in voller Ausübungbegriffen und wird überall enthusiastisch bekannt".

In dem Benthamismus sah Carlyle die stärkste jenerMächte der Auflösung, welche in der ihn umgebenden Gesell-schaft wirksam waren. Er trägt nicht Bedenken, denselbendem Christentum direkt entgegenzusetzen. Dieses hat nichteinen theoretischen, sondern einen moralischen Zweck, istdaher voll von Glaubenselementen, ohne welche moralischeEinwirkung unmöglich ist. Jener hat in erster Linie intellek-tuelles Interesse, sein Mittelpunkt ist der Egoismus des ein-zelnen, daher er Glaubensvorstellungen verwirft und Welt wieGesellschaft materialistisch erklärt. Jenes hat die Gesellschaftaufgebaut, dieser zerstört sie.

Mit dem Utilitariertum hängen andere Richtungen zu-sammen, welche scheinbar nichts mit ihm zu thun haben,so z. B. der Philanthropismus, dessen Phrasen die Weltdurchschwirren.

1 Vergl. Sartor Resartus, deutsche Ausgabe von Kretzschmar, S. 180.