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Sobald gut und schlecht nur noch in Rücksicht auf ihreFolgen zu unterscheiden sind, ist damit der alte Begriff derStrafe aufgehoben, die, als Vertilgung des Bösen, nur auseinem absoluten Gegensatz von gut und schlecht abzuleitenist. Daher die relativen Straftheorien, welche insofern ihrenZweck verfehlen, als trotzdem mehr und mehr Zweifel an derBerechtigung der Strafe überhaupt um sich greifen. Hierausentspringt jenes zeitgemäfse Mitleid mit dem Verbrecher, dasBestreben Strafen wie Strafausübung zu mildern. Carlylespricht sich auf das schärfste gegen die Bewegung zu Gunstender Abschaffung der Todesstrafe aus. Ebenso verspottet erdie modernen Gefängnisse. Er beschreibt in den Pamphletender jüngsten Tage einen Besuch, den er einem der Haupt-gefängnisse Londons abstattete. Er habe einen langen Wegdurch Stätten des tiefsten Elends zurücklegen müssen. Sobalder aber das Thor des Gefängnisses durchschritten, habe ihneine Atmosphäre der Sauberkeit und des Komforts umweht.Die Gefangenen, in hohen, luftigen Sälen an langen Tischensich die Zeit mit leichter Arbeit vertreibend, seien ihm imVergleich mit den kämpfenden Massen draufsen beneidens-wert erschienen. Einen der „litterarischen Chartisten" habe erin einem lichten Privathofe, in Meditation versunken, auf undab wandeln sehen: „abgeschlossen von der Welt und ihrenSorgen für einige Monate, Meister seiner Zeit und geistigenKräfte in einem Grade, wie kaum ein zweiter Litterat".Wenn man ihn einmal unter solchen Bedingungen mit Tinteund Feder allein gelassen hätte, meint Carlyle, so würdenseine litterarischen Leistungen gewifs höhere geworden sein.Howard betrachtete er als die unglückliche Quelle jenes„Oceans sentimentalen Wohlwollens und allgemeiner krank-hafter Sympathie mit dem Verbrecher, der heute die Ge-sellschaft zu überfluten droht". Carlyle hat, wie gezeigt,