Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
186
Einzelbild herunterladen
 

186

den sogenannten Philanthropismus auf utilitarische Denkweisenzurückgeführt.

Das von der Theorie unter der Bezeichnung als Lustgefühlaufgestellte Ziel des menschlichen Handelns heifst in die prak-tische Sprache des neunzehnten Jahrhunderts übersetzt: Machtoder Geld. Für den jungen Mann, der des letzteren genug hat,ist der Wunsch seines Lebens:to rise in parliament". Nichtsachliche Gründe entscheiden, welcher Partei er beitritt, son-dern vielmehr die Aussicht, welche sich seinem Ehrgeiz bietet.Ein Beispiel hierfür ist der junge Disraeli, der, nachdem erals Kandidat der äufsersten Linken durchgefallen war, zu denTories überging. Für die meisten aber tritt das Strebennach Macht hinter der Geldgier zurück. Politische Machtwird mehr und mehr als Mittel der Bereicherung betrachtet.Haben wir doch in Frankreich Politiker gesehen, die trotzschmählichen Sturzes sich zufrieden in das Privatleben zurück-zogen, nachdem die nötigen Millionen in Sicherheit gebrachtwaren. Aller politische Kampf neigt dahin, zur Geld-spekulation zu werden; man wagt Summen eines möglichenungeheuren Gewinnes willen.

Gleich den Satyrikern des alten Roms wird Carlyle nichtmüde, dieauri Sacra farnes" seiner Zeitgenossen zu geifseln.Das, was der Engländer am meisten fürchtet, sagt Carlyle,was man in der Sprache älterer Zeiten als seine Hölle be-zeichnen könnte, istnot succeding", d. h. kein Geld zumachen. Alle Verhältnisse, welche zwischen Menschen be-stehen, lösen sich heute in Geldverhältnisse auf. Gesellschaftist nichts als eincash-nexus". Jede Verpflichtung des einengegen den anderen wird als eine durch Geld zu erledigendebetrachtet. Thatsächlich bedeutet ein solcher Zustand voll-ständige Isolierung des Einzelnen und gegenseitige Vernich-tung, wenn auch noch unter friedlichen Formen und mit dem