denke man, dafs er sich zunächst gegen Zustände wendet,wie sie Carlyle während des gröfseren Teiles dieses Jahr-hunderts in seiner Heimat vor Augen hatte. Trotzdem ver-schliefse man sich dem nicht, dafs er Gefahren aufdeckt, diein unserer Zeit liegen und wenigstens der Tendenz nachüberall in der heutigen Kulturwelt verbreitet sind.
Zunächst fragt Carlyle: wie geschieht die Auswahl un-serer Herrscher, dieses wichtigste sociale Geschäft, dessenErfolg oder Mifserfolg das Endresultat der gesamten Gesell-schaftsorganisation darstellt? Unseren Vorfahren ist es ineinem relativ hohem Grade gelungen, die zur Herrschaft be-fähigten auf die ihnen zukommenden Plätze zu heben. Car-lyle erinnert an den Abt Samson, der aus niedersten Ver-hältnissen und ohne jede Bewerbung zum Beherrscher einesbeträchtlichen Teiles des englischen Gebietes aufstieg 1 . Inähnlicher Weise beruht die Entstehung der älteren englischenAdelsgesehlechter fast stets auf wahrem Verdienst, welches aufGenerationen in den Familien fortzuleben pflegte. Der Grunddieser richtigen Auswahl der Herrscher war der, dafs das,was Carlyle „Hero-worship" nennt, in verhältnismäfsig ge-sunder Weise sich vollzog. Das Volk besafs ein bestimmtesIdeal des Mannes. Mit den Glaubensvorstellungen ist demmodernen Menschen notwendig auch der Mafsstab mensch-lichen Wertes verloren gegangen. Das einzige, was er amNächsten sehätzt, ist lediglich Reichtum und die Fähigkeit,solchen zu erwerben. Ein äufseres Zeichen der Herrscher-losigkeit oder Anarchie ist die bunt zusammengewürfelte Be-völkerung von Statuen, welche die Plätze der englischenStädte verunzieren. Carlyle wünscht , dafs das Denkmal,welches man für Hudson, einen Gründer und Eisenbahnkönig
1 Vergl. Past ancl Present Buch II.