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1 (1890)
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verschmäht, so bleibt in englischen Verhältnissen nur dieLitteratur. Carlyle hat keine Gelegenheit versäumt, jungenFreunden abzuraten, in dieses Meer sich zu stürzen, dasschon so viele verschlungen habe F Die Erscheinungen, welchedie grofse Welt durchziehen, wiederholen sich hier: eineschonungslose Konkurrenz, gewissenlose Reklame und Vor-herrschen selbstsüchtiger Motive. Zugleich teilt sie mit ihrdas Ungeregelte, die damit verbundene Isolierung des Ein-zelnen, während jene anderen Berufe doch wenigstens eine ausalter Zeit überkommene Organisation besitzen.

Bezeichnenderweise sind alle vier Berufe, welche demManne heute Einflufs über seine Mitmenschen verschaffen, wieCarlyle sich ausdrückt,redender Natur".

Carlyle fragt nun zweitens, wie üben diejenigen, welchein der soeben geschilderten Weise zur Herrschaft gelangtsind, diesen Beruf aus? Wir betrachten zunächst das öffent-lich anerkannte System der Regierung. Carlyle hat die par-lamentarische Regierungsform im Auge, welche in England der Vollendung nahe ist, bei den romanischen Völkern, ins-besondere in Frankreich, und mit Abschwächungen in Nord-amerika thatsächlich in Übung steht. Er beurteilt jedochnicht nur die gegenwärtige Gestalt dieser Regierungsform, son-dern zeigt auch, was bei weiterer Ausbildung und ohne ge-genteilige Einflüsse von derselben zu erwarten steht.

Das Parlament, so wie es sich in England ausgebildet hat nieht als etwas besonderes, sondern auf Gedanken beruhend,die der germanischen Welt gemeinsam angehörten war inseiner früheren Form nach Carlyle ein durchaus gesunderund nützlicher Teil der staatlichen Organisation. Ursprünglich

1 Brief an James Dodds vom 5. Februar 1840. Abgedruckt inFischer, Th. Carlyle, Geschichte seines Lebens, 1882.