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zuführen ist, sieh in friedlicher Weise vollzieht. Aber Vor-aussetzung dieser günstigen Wirkungen ist das Vorhandenseineiner herrschenden Gewalt neben dem Parlamente. DennCarlyle sieht in demselben docli nur ein Mittel, wenn auchvilleicht das wichtigste, zur Führung der Herrschaft 1 .
Durch zwei Ereignisse ist die Stellung des Parlamentes,so wie sie sich in England gegen Ende des Mittelalters undBeginn der Neuzeit festgestellt hatte, verändert worden.Durch das eine sind ihm Funktionen genommen, die es bisheute noch auszuüben vorgiebt; durch das andere sind ihmsolche gegeben, die es seiner Natur nach nie erfüllen kann.
In der ersten Hinsicht kommen die durch Erfindung derBuchdruckerkunst hervorgerufenen Veränderungen in Betracht.Früher war das Parlament der einzige Ort, an dem die Stimmedes Volkes das Gehör der Mächtigen fand, an dem seineWünsche und Beschwerden offen dargelegt werden konnten.Heute ist das Forum unendlich erweitert. Jeder, sagt Carlyle,kann sich heute zum Parlamentsmitglied machen, indem erdurch Bücher, Zeitungen und Zeitschriften seine Ansichten deröffentlichen Besprechung unterstellt. Früher waren die Bera-tungen des Parlamentes eben so wichtig als die Abstimmungen,ja letztere eigentlich nur das zusammenfassende Endergebnisder ersteren. Denn erst auf Grund des vorgetragenen Stoffeswurden die Meinungen gefafst und die Voten abgegeben.Heute sind die Parlamentsdebatten in einem Lande wahrerPrefsfreiheit nahezu zwecklos. Die im Parlamente gehörtenReden sind nichts als ein Abbild der in der Presse voran-gegangenen Debatten, eine Wiederholung oft wiederholter,nach allen Seiten besprochener Gegenstände. Die Voten be-