Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
194
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1 Vergl. Latter Day Pamphlets S. 267.

ruhen auf vorgefafsten Meinungen. Abstimmung ist danachheute hei weitem die wichtigste Thätigkeit des Parlaments.Die ungezügelte Redefreiheit des englischen Parlaments, wiesie nicht selten den lähmendsten Einflufs auf die Erledigungder Geschäfte ausgeübt hat, erschien Carlyle als ein Anachro-nismus; es ist, sagt er, nicht anders, als oh man Estafettennoch neben einem Kurierzuge reiten liefse 1 .

Eine zweite Thatsache, welche ausschliefslich der eng-lischen Geschichte angehört, ist weit gefährlicher für die par-lamentarische Institution. Neue Aufgaben, welche sie ihremWesen nach nie erfüllen kann, sind ihr dadurch zu Teilgeworden. Entweder mufs sie diese falsche Stellung wiederaufgeben oder sie und die Nation mit ihr werden daranzu Grunde gehen. Das englische Königsgeschlecht hatteseinen Beruf verkannt und ist dafür durch Revolution gestürztworden. Das lange Parlament erhielt hei dieser Gelegenheitjenen unnatürlichen Machtzuwachs, der alle anderen Gewaltenin der seinen aufgehen liefs. Das Parlament wurde zumsouveränen Herrscher der Nation erklärt. Als John Bradshawdiese Doctrin im Angesicht des Whitehall- Palastes verkündete,führte er damit ohne Wissen und Willen den schwerstenStreich gegen die Parlamente überhaupt. Carlyles Ansichtist folgende: eine parlamentarische Versammlung ist unfähig,die exekutive Gewalt auszuüben; je mehr sie also in dieStellung derselben einrückt, desto mehr bleiben die jener zu-kommenden Geschäfte thatsächlich unerledigt; die Regierungwird mehr und mehr zur Scheinregierung. Carlyle erkenntzwei Ausnahmen dieser seiner Lehre an: das lange Parlamentund den französischen Konvent. Sie allein waren nichtScheinexistenzen, sondern haben thatsächlich die Macht aus-